Politik : Der Sieg von Alliot-Marie ist eine Schlappe für Chirac (Kommentar)

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Die ehemalige Ministerin Michèle Alliot-Marie ist die erste Frau, die eine der großen Parteien Frankreichs führt. Spötter werden hinzufügen: Ihre großen Zeiten hat die vom heutigen Präsidenten Jacques Chirac im Jahr 1976 gegründete RPR, deren Vorsitz nun die energische Frau aus dem französischen Baskenland innehat, vielleicht schon hinter sich. Die Neogaullisten stehen im dritten Jahr ihrer Oppositionszeit nach dem Wahldebakel von 1997 ohne rechte Mission da. Im Zeitalter der Globalisierung vertritt der sozialistische Premierminister Lionel Jospin den nationalen Gedanken der "französischen Ausnahme" schließlich auch ganz gut. Chiracs "Sammlungsbewegung für die Republik", die einen stetig kleiner werdenden Teil der französischen Bevölkerung hinter sich versammelt, hat nach der Wahl von Michèle Alliot-Marie zwei sehr unterschiedliche Merkmale: eine reformwillige Basis, die der alten Clanwirtschaft Adieu sagen möchte, und einen Präsidenten im Elysée, der im Jahr 2002 wieder gewählt werden will. Die schwierige Aufgabe der neuen RPR-Chefin besteht darin, zusammenzufügen, was nach den Usancen der Macht eigentlich nicht zusammengehören kann. Deshalb gibt es vor allem eine Lesart für die Urwahl bei den Neogaullisten: Sie ist eine Schlappe für Präsident Chirac.

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