DER SINAI : Unzufriedene Beduinen, Islamisten und bisher wenig Militär

Im Sinai, der riesigen Wüstenhalbinsel und einzigen Landverbindung zwischen Afrika und Asien, herrscht Anarchie. Tel Aviv und Kairo sind sich offensichtlich einig: Die Terroristen aus dem Gazastreifen waren durch die Schmuggeltunnels in den Sinai gelangt, hatten sich dort mit Waffen ausgerüstet, bevor sie vom ägyptischen Territorium aus die israelischen Fahrzeuge attackierten.

Um dem Chaos ein Ende zu bereiten und die seit dem Sturz Mubaraks verlorene Kontrolle über die Halbinsel zurückzuerobern, verstärkte die ägyptische Armee seit Sonntag ihre Truppen an der Grenze zu Israel. Im Friedensvertrag mit Israel war die Truppenzahl auf ein Minimum reduziert worden und Israel hatte es immer wieder abgelehnt, Ägypten die Stärkung seiner Präsenz auf dem Sinai zu gestatten. Nun aber überquerten tausende Soldaten und vor allem Panzer den Suezkanal in östlicher Richtung. Neue Truppen sollen nach der Anschlagsserie auf dem Weg in den Nordsinai und dessen Hauptstadt al Arish sein. In ägyptischen Medien betonte ein hoher Kairoer Offizieller die gute Zusammenarbeit der eigenen Sicherheitsorgane mit denjenigen Israels. Selbst die politischen Differenzen würden diese auch in Zukunft nicht gefährden. Denn man hat gleich mehrere gemeinsame Feinde. Die Befürchtungen gelten der radikalislamischen Hamas und Iran, der diese unterstützt. Der Iran und Hamas haben ein gut funktionierendes Netz zum Waffenschmuggel aufgebaut: Teheran liefert seine Waffen über den Sudan, den Sinai und durch die Schmuggeltunnels in den Gazastreifen.

Im Sinai tummeln sich zudem islamistische Gruppierungen, die viele Beduinen rekrutiert haben, die von Kairo wirtschaftlich benachteiligt wurden und unzufrieden sind. Sie leben teilweise vom Schmuggel in den Gazastreifen. In den letzten Wochen und Monaten seit dem Umsturz in Kairo wurden von Extremisten etwa ein Dutzend ägyptische Polizeistationen im Sinai angegriffen und mehrere Uniformierte getötet. Bei Bombenanschlägen wurden die Erdgaspipelines nach Israel, aber auch nach Jordanien lahmgelegt. Jeweils wenige Tage nach Abschluss der Reparaturen erfolgte ein neuer Anschlag, so dass die politisch umstrittenen Lieferungen derzeit eingestellt sind. cal

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