Politik : Der SPD-Nachwuchs stellt seine Zeitschrift "Berliner Republik" vor

Tissy Bruns

Der Fernsehturm ist den jungen Herausgebern schon recht: "In der Mitte, im Osten, im Himmel und in Bewegung, wenn auch nur im Kreis", sagt Hans-Peter Bartels.

Er bewegt sich aber nicht. Die Plattform mit dem Restaurant, die sonst die Besucher rund über die Stadt dreht, ist stillgestellt, jedenfalls für die dreiviertel Stunde, in der die "Berliner Republik" sich vorstellt. Diesmal schwarz auf weiß gedruckt und auf 96 Seiten zusammengestellt. "Berliner Republik" haben die zehn jungen SPD-Bundestagsabgeordneten ihre Zeitschrift getauft, die gestern hoch über der Stadt vorgestellt wurde. Der Ort war nicht die erste Wahl der Veranstalter.

Doch der Ältestenrat des Bundestags wollte die Reichstagskuppel zu diesem Zweck nicht hergeben. Es hieß: "Zu politisch." Der Keller der Parlamentarischen Gesellschaft wiederum stand nicht zur Verfügung. Dabei wäre der, wie Herausgeber Bartels sagt, "spießig genug gewesen".

Die Youngsters in der SPD kokettieren ganz gern mit den Bildern der Vorgänger-Generation über die Jungen. Nicht nur in der eigenen Partei, auch in der Presse wird gern das (Vor)-Urteil gepflegt, dass als jung und innovativ nicht gelten kann, wer einen Anzug trägt und früh, aber selten heiratet.

Die Reichstagskuppel schmückt den ersten Titel der Zeitschrift, samt sechs äußerst leicht bekleideten jungen Leuten. Nach dem Umziehen ist vor dem Umziehen, sagt das Heft. Berlin-Mitte, Dritter Weg: "Was trägt die neue SPD?" fragt der Untertitel. Die zehn Herausgeber wissen es noch nicht, und auch die dreißig Beiträge des ersten Heftes werden keine ultimative Antwort geben. Die Autoren übrigens wurden ohne Altersbeschränkung gesucht. Und ohne Honorar. So schreiben auch Norbert Seitz, Redakteur der Frankfurter Hefte, Jahrgang 50, oder der Politikwissenschaftler Franz Walter, Jahrgang 56, in der ersten Ausgabe. Seitz erinnert an "Mannheimer Nächte" und Walter richtet eine "Rede an den unzulänglichen Nachwuchs der SPD".

Der hat vorerst zwei Botschaften, die Bartels überbringt. Erstens beginne die neue Generation, eine eigene politische Philosophie zu entwicklen. Dabei sei, zweitens, klar, "dass die alten Pappschilder nicht taugen". Das Rechts-Links-Schema habe sich überlebt in der SPD. Ob die Jungen als pragmatisch oder als undogmatisch eingeordnet würden, sei ihnen egal. Wichtig aber sei der Wechsel weg von einer Haltung der Kritik hin zu einer Haltung der Definition. "Wir sind konstruktiv", sagt Bartels ausdrücklich: Auch das geht an die Adresse der nunmehr über 50-jährigen Revolten-Generation.

Die "Berliner Republik", die mit einer Startauflage von 500 Exemplaren startet, spannt ihr Themenspektrum weit. Neben einer ganzen Reihe von Berlin-Texten geht es um harte politische Ware wie Steuern und Rente, mehrere Autoren sind auf der Suche nach neuer Mitte und Drittem Weg. Eine schlichte, verdienstvolle Seite listet die Juso-Bundesvorstände von 1996 bis 1980 auf. Wir finden die Namen eines Bundeskanzlers (Schröder), von drei Bundesministern (Scharping, Eichel, Wieczorek-Zeul), eines gestürzten Bundesgeschäftsführers (Schreiner). Die Überschrift lautet: "Yesterday Heroes".

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