Politik : Der Staat - ein Geheimnis: In Chinas Medien wird jedes einzelne Wort überwacht

Harald Maass

Am Tag nach der Demonstration war in Pekings Zeitungen vieles zu lesen. "Zum achten Mal überrascht ein Sandsturm Peking" titelte die populäre "Jugendzeitung" (Qingnianbao) kürzlich. Die "Peking Zeitung" (Beijing Ribao) forderte ihre Leser auf, im Sommer "sparsam mit dem Wasser umzugehen". Das Gesprächsthema des Tages in Chinas Hauptstadt war jedoch ein anderes: Am Vortag waren mehr als 100 Anhänger des religiösen Falun Gong-Kultes festgenommen worden - mitten in der Innenstadt. Doch darüber durften Chinas Medien mit keinem Wort berichten.

Trotz der Reform und Öffnung der vergangenen zwei Jahrzehnte werden Chinas Medien bis heute von der Kommunistischen Partei kontrolliert. Zwar sind die Zeitungen bunter und professioneller geworden. Im politischen Teil herrschen jedoch weiter die Parteisekretäre: In den 2160 Zeitungen des Landes steht keine Nachricht, die nicht von den staatlichen Zensoren gegengelesen wird. In den Kabel- und Fernsehstationen wird kein politischer Bericht gesendet, der nicht von einem Parteikader abgesegnet ist.

Mit der Niederschlagung der Studentenproteste am 2. Juni 1989, als Deng Xiaoping die Panzer auf den Platz des Himmlischen Friedens schickte, zogen die politischen Kommissare die Zügel so straff wie nie zuvor: Hunderte Journalisten wurden verhört, Dutzende zu Haftstrafen verurteilt. Die von Chinas Verfassung garantierte Meinungs- und Pressefreiheit existiert nur auf dem Papier, was beispielsweise auch Bai Weiji und Zhao Lei erfahren mussten. Sie wurden 1993 zu zehn und sechs Jahren Haft verurteilt, weil sie einen Magazintext ins Englische übersetzt hatten.

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