Politik : Der Staatschef geht – und bleibt doch

Namibia wählt einen Nachfolger für Präsident Nujoma

Wolfgang Drechsler

Windhuk - Äußerlich hat sich in Namibia seit der Unabhängigkeit im März 1990 wenig geändert. Dennoch geht für die ehemalige deutsche Kolonie an diesem Montag eine Ära zu Ende. Wenn die rund 1,8 Millionen Namibier am Montag und Dienstag an die Wahlurnen gehen, werden sie einen Nachfolger für den 75-jährigen Staatspräsidenten Sam Nujoma bestimmen, der die Politik des Landes in den letzten fünf Jahrzehnten wie kein anderer geprägt hat.

Trotz des Rückzugs Nujomas muss sich sein designierter Nachfolger Hifikepunye Pohamba, der bisherige Minister für Landfragen, keine Sorgen um den Wahlsieg machen. Denn wie schon bei der letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahl im Jahr 1999 wird auch diesmal mit einem klaren Triumph der Regierungspartei Swapo (South West African People’s Organisation) gerechnet. Schon bei der Wahl vor fünf Jahren erreichte die Swapo landesweit 76,3 Prozent; Nujoma selbst wurde mit 77 Prozent für eine dritte Amtszeit gewählt. Neben der tiefen Loyalität der größten Volksgruppe, den Ovambos, liegt der Grund für die Dominanz der früheren Widerstandsbewegung Swapo auch darin, dass die Opposition sehr stark zersplittert ist.

Beobachter bezweifeln kaum, dass Nujoma auch künftig starken Einfluss auf die Politik des Landes ausüben wird – schließlich bleibt er Swapo-Vorsitzender. „Mit Pohamba als willfährigem Instrument gelangt Nujoma indirekt zur vierten Amtsperiode“, schrieb die in Windhuk ansässige „Allgemeine Zeitung“, das Zentralorgan der 25 000 Deutschen im Land.

Obwohl die Weißen mit der Politik von Nujoma nicht schlecht gefahren sind, hat der von den schwarzen Machthabern zuletzt angedrohte Zwangsaufkauf weißen Farmlandes Unruhe ausgelöst. Solange die Regierung keine festen Kriterien für die geplanten Enteignungen benennt, dürfte die Landfrage wie ein Damoklesschwert über Namibia hängen und seine Wirtschaft zunehmend lähmen.

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