Politik : Der starke Mann von gestern

Keine Experimente: Der Präsident Boliviens heißt wieder de Lozada

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La Paz. Der frühere Präsident Boliviens, Gonzalo Sanchez de Lozada, ist am Sonntag als Sieger aus der Stichwahl im Parlament um das höchste Staatsamt hervorgegangen. Der 72-Jährige stand bereits von 1993 bis 1997 an der Spitze des Landes. Der neue Staatschef übernimmt am Dienstag das Amt von Jorge Quiroga, der die Staatsgeschäfte seit der schweren Krebserkrankung des inzwischen gestorbenen Präsidenten Hugo Banzer führte. Die Amtsperiode endet 2007. Der parteilose Politiker Carlos Mesa wurde zum Vizepräsidenten gewählt.

Mit de Lozada übernimmt der Politiker mit der meisten Erfahrung wieder das Ruder in Südamerikas Armenhaus. Die Entscheidung fiel nach einer Marathonsitzung von mehr als 24 Stunden. Für de Lozada stimmten 84 der insgesamt 155 Senatoren und Abgeordneten. Zunächst hatte die Parlamentsführung 85 Stimmen und 157 Abgeordnete genannt. Zwei der Parlamentarier hätten aber wegen fehlender Papiere noch kein Wahlrecht besessen, hieß es.

Für seinen Kontrahenten Evo Morales, den linksgerichteten Führer der Kokabauern, stimmten 43 Abgeordnete und Senatoren. Zwei Parlamentarier enthielten sich ihrer Stimme. Die 26 Abgeordneten der Partei des abgeschlagenen früheren Wahlfavoriten Manfred Reyes Villa stimmten symbolisch für ihren Kandidaten.

Am besten haben seine Landsleute de Lozada wohl wegen seiner Zeit als Planungsminister der Regierung von Präsident Victor Paz Estenssoro in Erinnerung. 1985 gelang es ihm, die Hyperinflation unter Kontrolle zu bekommen. 1989 gewann er dann die erste Runde der Präsidentenwahl mit einem hauchdünnen Vorsprung von 5000 Stimmen. Im Parlament unterlag er aber dem Zweitplatzierten Paz Zamora, seinem heutigen Koalitionspartner.

Erst 1993 schaffte de Lozada erstmals den Einzug in den Quemado-Palast in La Paz. Unter seiner Regierung wurden mehrere große Staatsbetriebe auf zweifelhafte Weise privatisiert. Einige der privatisierten Betriebe sind inzwischen faktisch in Auflösung begriffen.

Der neue alte Präsident des Landes lebte seit seiner frühen Kindheit mit seinen Eltern in den USA und studierte später Philosophie und Literatur an der Universität von Chicago. Bis heute spricht de Lozada seine Muttersprache mit dem unverkennbaren Akzent der Nordamerikaner. „Meine Regierung wird frühere Fehler korrigieren“, kündigte Lozada an. Viel konkreter wurde er nicht. dpa

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