Politik : Der stille Geheimdienstmann - Wladimir Putins Karriere im Fahrwasser des Präsidenten

Ulrich Heyden

Der 47 Jahre alte Wladimir Putin, geboren im damaligen Leningrad, hat sich seine Sporen im Geheimdienst erworben, in den er 1975 nach seinem Jura-Studium eintrat. Zuverlässigkeit und Ergebenheit gegenüber dem Präsidenten machen ihn für Jelzin zum geeigneten Nachfolger für das Präsidentenamt. Die politische Karriere Putins ist eng verknüpft mit den Namen Anatoli Sobtschak und Anatoli Tschubais. Als Putin nach einem Aufenthalt in der DDR - zwischen 1984 und 1990 soll er nach Informationen deutscher Sicherheitskreise in Dresden für den KGB aktiv gewesen sein - in die damalige Sowjetunion zurückkehrte, wurde er zu einem engen Berater Sobtschaks. Wie viele ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes blieb Putin stets unauffällig.

Nach der Wahl Sobtschaks zum Bürgermeister von St. Petersburg im Jahre 1991 wurde Putin zum Verantwortlichen für Auslandsbeziehungen der Stadt ernannt. Seine guten Beziehungen nach Deutschland waren nützlich bei der Ansiedlung einer Reihe größerer deutscher Firmen an der Newa. Putin leitete auch die Gründung der Börse in St. Petersburg. War Sobtschak abwesend, führte Putin die Amtsgeschäfte, der daher den Beinamen "Grauer Kardinal" bekam. 1995 gründete Putin in St. Petersburg die regionale Organisation von "Unser Haus Russland" und leitete die Wahlkampagne der Tschernomyrdin-Partei. Danach leitete Putin die Wahlkampagne von Bürgermeister Sobtschak. Nach der Abwahl Sobtschaks wurde Putin von Tschubais, dem damaligen Leiter der Präsidialverwaltung, nach Moskau gerufen und begann eine neue Karriere, die ihn in kurzer Zeit an die Schaltstellen der Macht führte. 1997 wurde er stellvetretender Leiter der Präsidialverwaltung. Ein Jahr später berief ihn Präsident Jelzin als Leiter des Geheimdienstes FSB, im März 1999 zum Sekretär des Sicherheitsrates. Nicht einer der früheren Sekretäre des russischen Sicherheitsrates hatte eine derartige Machtfülle.

Mit seiner Kaderpolitik im FSB machte sich Putin aber auch Feinde. Als Putin im Herbst letzten Jahres erklärte, er werde drastische Maßnahmen ergreifen, wenn die Kampagne der Opposition zum Rücktritt des Präsidenten in Gewalt ausarte, wurden in der Staatsduma und im Föderationsrat Rücktrittsforderungen laut. Doch auch an einer anderen Flanke setzte sich Putin zur Wehr. Als Boris Beresowskij, der Finanzier und Vertraute der Jelzin-Familie, im November letzten Jahres erklärte, Offiziere des Geheimdienstes hätten ihn umbringen wollen, die FSB-Leitung habe versucht, eine Untersuchung des Vorfalls zu verhindern, erklärte Putin, der Geheimdienst werde sich nicht an politischen Spielen beteiligen - auch wenn mit aller Macht versucht werde, den FSB hineinzuziehen.

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