Der Streit um die Werte : Wohin führt die Diskussion die CDU?

Erwin Teufel hat mit seiner Kritik an der Ausrichtung der CDU eine heftige Debatte ausgelöst. Dabei geht es auch um die Lust am Streit.

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Im Netz wird die missglückte Kampagne auch schon fleißig parodiert. Wie beispielsweise in dieser Fotomontage von Twitter-User @555Schuh. Dass sich eine Kampagne verselbständigt und zum PR-Desaster für eine Partei wird, passiert nicht zum ersten Mal. Wir zeigen Ihnen einige Beispiele, wie man sich im Wahlkampf besser nicht präsentiert.Weitere Bilder anzeigen
Foto: @555Schuh/Twitpic
21.08.2011 17:00Im Netz wird die missglückte Kampagne auch schon fleißig parodiert. Wie beispielsweise in dieser Fotomontage von Twitter-User...

Erwin Teufel hat 1995 ein interessantes Buch herausgegeben, „Was hält die moderne Gesellschaft zusammen?“ Am Ende des Buches gibt Teufel eine Antwort darauf, wie Parteien mit den Interessen von Bürgern, mit ihren Ängsten und ihrer Suche nach Orientierung und Identität umgehen sollten: „Nicht das Diktat der Politik, sondern die Organisation eines Dialogs ... mit allen wichtigen Gruppen der Gesellschaft … wird eine immer wichtigere Aufgabe der Politik.“

Politische Orientierung fängt für Teufel mit Dialog an, wie wohl er weiß, dass am Ende die Politik zu entscheiden hat.

Man könnte den Aufsatz wunderbar lesen als Kritik am Umgang der CDU mit Stuttgart 21 oder auch mit der Bundeswehrreform. Aber man kann Teufels Beitrag von damals auch als Folie für die aktuelle Debatte um Führung und Profil der CDU anwenden. Er lenkt den Blick darauf, dass es in dieser Debatte gar nicht um das „Konservative“ oder das „Christliche“ oder um das vermeintliche Beleidigtsein von älteren CDU-Mitgliedern wie Erwin Teufel, Kurt Biedenkopf oder Volker Rühe geht. Nein, in vielen Debattenbeiträgen spielt als Subtext das Thema „Dialog“ eine wichtige Rolle.

Der Erste, der die jüngste Debatte um dieses Thema begann – es gab unter Angela Merkel schon viele –, war Helmut Kohl. In seiner Rede am 1. Oktober 2010 zum 20. Jahrestag des CDU-Vereinigungsparteitags piekste der Altkanzler mit feinem Florett fast alle Themen an, die jetzt wieder im Blickpunkt stehen. Zunächst stellte Kohl klar, dass die CDU nicht gespalten sei in Konservative und Modernisierer. Wörtlich sagte er: „Lassen wir uns doch nicht einreden, dass konservativ und fortschrittlich Gegensätze sind. Das Gegenteil ist wahr.“ Dann sagte er: „Die Gratwanderung besteht darin, dass wir nicht beliebig werden und dem Zeitgeist folgen, sondern ihm ... widerstehen und uns bei notwendigen Veränderungen treu bleiben.“

Ein Beispiel, wo Kohl, wie viele andere, die Partei unverblümt zum Dialog aufforderte, war die Wehrpflicht. Er sagte, die Welt habe sich nicht so sehr verändert, dass die Wehrpflicht nicht zu erhalten wäre – „wenn man sie denn will“. Kohl forderte eine „gründliche“ Debatte, „bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird“. Es gab sie nie.

Angela Merkel hat aus der CDU ein "ideologisches Nichts" gemacht. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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