Politik : Der Taktiker

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Enge Freunde sind sie wohl nicht direkt, der Bundeskanzler und sein Verkehrsminister. Dazu hat es zwischen beiden zu oft politisch geknallt, zuletzt gerade im Streit um die Chipfabrik in Frankfurt an der Oder. Aber Manfred Stolpe ist im Kabinett Schröder auch für den Aufbau Ost zuständig, und in dieser Funktion ist er für den Regierungschef unersetzbar. Das weiß Stolpe, und kann deshalb milde lächelnd manchmal stur wie ein pommerscher Bauer sein. Zu dem 67jährigen Kirchenjuristen gibt es keine politische Alternative in der größten Regierungspartei, nachdem Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee den Ruf nach Berlin abgelehnt hatte. Der langjährige brandenburgische Ministerpräsident genießt bei den Menschen in den jungen Ländern großes Vertrauen. Er traut sich auch zu, die Agenda 2010 und die verschiedenen Hartz-Modelle ost- kompatibel abzufedern. Im Streit um die Maut werfen ihm seine Gegner vor, er weiche wieder einmal zurück und lasse sich von der Industrie an der Nase herumführen. Der Taktiker Stolpe sieht das anders. Er will die selbstverliebten Spitzenmanager nicht vor aller Welt blamieren. Und den strittigen Vertrag hat er von seinem Vorgänger Kurt Bodewig übernommen, da kann ihn keiner haftbar machen – auch nicht politisch. apz

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