Politik : Der Terror und die Folgen: Auch London droht mit Einsatz von Atomwaffen

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In der Drohoffensive gegen Saddam Hussein hat nun auch Großbritannien die Schraube angezogen. Diktatoren wie Saddam Hussein "können sich absolut darauf verlassen, dass wir in den richtigen Umständen unsere Atomwaffen einsetzen", sagte Verteidigungsminister Geoff Hoon am Mittwoch im Unterhaus. Allerdings wisse er nicht, ob dies als Abschreckung ausreiche. Damit scheinen die Briten dem Beispiel der Amerikaner zu folgen. In Washington war in den vergangenen Wochen in Grundsatzpapieren der Einsatz von Atomwaffen diskutiert worden.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Mit Blick auf den Irak hatte US-Vize-Außenministerin Elisabeth Jones am Mittwoch erklärt, sollte Saddam Hussein Israel angreifen, könnte Bagdad dabei Massenvernichtungswaffen und eventuell sogar Atomwaffen einsetzen. Der Sprecher der Bundesregierung, Bela Anda, sagte dazu am Donnerstag: "Über Kriege, die nicht erklärt worden sind, sollte man nicht spekulieren."

Hoon sagte, der Irak stelle derzeit die größte Bedrohung für die Sicherheit des Vereinigten Königreichs dar. Schon in "wenigen Jahren" werde Großbritannien in Reichweite von Raketen sein, die im Nahen Osten abgefeuert werden. Fragen von Abgeordneten zu einem möglichen Präventivschlag gegen Bagdad beantwortete auch Hoon mit dem üblichen "nichts ist entschieden". In der Downing Street fügte man hinzu, man könne nicht den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass sich das Problem der Massenvernichtungswaffen von selbst löse.

Der russische Außenminister Igor Iwanow warnte indes vor Alleingängen im Kampf gegen den Terrorismus. "Alle Alleingänge führen zu einer Schwächung der Position der gesamten Weltgemeinschaft", sagte Iwanow am Donnerstag in Berlin. Die Anti-Terror-Koalition müsse durch die Vereinten Nationen angeführt werden.

Mit der Entsendung von weiteren 1700 Marinesoldaten zur Jagd auf Al-Qaida-Einheiten in Afghanistan hat Großbritannien indes seinen Einfluss auf den Gang der Dinge nicht nur in Afghanistan verstärkt. Die USA hatten die Spezialkämpfer des Marinekommandos 45 angefordert, als die Aktion "Anaconda" die Hartnäckigkeit der verbliebenen Taliban- und Al-Qaida Kämpfer zeigte. In London sprach man hinter vorgehaltener Hand von einem "katastrophalen" Einsatz der US-Soldaten. Mehr als 6000 britische Soldaten stehen nun in den verschiedenen Afghanistaneinsätzen. Das gibt Tony Blairs Worten Gewicht, wenn er sich nach Ostern mit Präsident George Bush auf dessen texanischer Ranch trifft. Viele Kommentatoren sehen Blair derzeit als Marionette Bushs. Aber auf Basis der engeren militärischen Zusammenarbeit dürfte Blair versuchen, Bush von der Notwendigkeit internationaler Abstimmung zu überzeugen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer räumte Differenzen mit den USA bei der Krisenbewältigung in Afghanistan und auf dem Balkan ein. Fischer sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", in beiden Fällen komme es auf ein dauerhaftes und umfassendes Herangehen an. "Leider haben wir in diesem Punkt bisweilen Differenzen mit unseren amerikanischen Partnern", sagte der Außenminister. Im Falle Afghanistans reife die Erkenntnis, "dass ein vorwiegend militärisches Engagement neue Risiken schaffen würde". Die Übernahme des Gesamtkommandos für die Friedenstruppe Isaf lehnte Fischer ab.

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