Politik : Der Terror und die Folgen: Keine Fenster, kein Strom, kein Wasser

Joe Cochrane

Die deutschen Soldaten der internationalen Schutztruppe brauchten nicht lange, um herauszufinden, wie unwirtlich Afghanistan im Winter ist. In ihrer eigenen Unterkunft erfuhren sie das am eigenen Leibe. An ihren ersten Tagen in Kabul erwachten die Soldaten in einem Gebäude ohne Fenster, Strom und fließendes Wasser. Während draußen ein gefrierender Nieselregen die Stimmung dämpfte, konnten die Männer drinnen von einem schönen Frühstück nur träumen. Für sie gab es nur typische Ein-Mann-Rationen der Bundeswehr sowie Mineralwasser aus der Flasche.

Aber es hätte noch schlimmer kommen können für die 30 Deutschen, die mit etwa 300 Kameraden aus Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Dänemark in einer ehemaligen Coca-Cola-Fabrik im Nordosten Kabuls untergekommen sind. Den Soldaten, die in den nächsten Tagen und Wochen zur Verstärkung eintreffen werden, bleiben nur Zehn-Mann-Zelte auf dem Fabrikgelände als Unterkünfte.

Die Soldaten werden allerdings nur wenig Zeit haben, sich um ihr Wohlbefinden zu sorgen. Am Montag werden sie ihre Streifengänge durch die zentralen und nördlichen Bezirke Kabuls beginnen. Sie sollen gemeinsam mit afghanischen Einheiten für Sicherheit in Kabul sorgen. Der größte Teil des ersten deutschen Vorauskommandos für die internationale Schutztruppe war ohnehin am Sonntag noch gar nicht in Afghanistan. Weil die niederländischen Transportmaschinen in Iran standen und vereist waren, konnten 40 der 70 deutschen Soldaten noch nicht von Trabzon in der Türkei nach Kabul gebracht werden. Dies ist nun für Montag geplant. Zudem hat die Luftwaffe noch keinen Stützpunkt in der Nähe des Landes für die Versorgung der deutschen Soldaten gefunden. Derzeit wird mit Usbekistan verhandelt. Am Montag soll auch der zweite Teil des deutschen Voraustrupps von Köln aus starten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, neben den Witterungsbedingungen lägen die Hauptschwierigkeiten in den begrenzten Landemöglichkeiten in Kabul. Der CDU-Verteidigungsexperte Volker Rühe vermutete im Nachrichtensender n-tv dagegen Planungsfehler. Das Ministerium teilte mit, der 40 Kilometer von Kabul entfernte Flughafen Bagram sei wegen einer Beschädigung der Landebahn vorübergehend geschlossen worden.

Der afghanische Innenminister, Junis Kanuni, sprach sich für den Einsatz der Internationalen Friedenstruppe über die Hauptstadt Kabul hinaus aus. Er sagte am Sonntag, wegen der andauernden Gewalt sei die Anwesenheit der Truppen auch in anderen Städten wie Kandahar und Dschalalabad erforderlich.

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