Politik : Der Tigris ist das Ziel

USA melden Demonstration der Stärke in der Hauptstadt

Marcel vom Lehn

Entscheidende Tage in Bagdad: Am Samstag erklärte das US-Zentralkommando in Qatar, dass amerikanische Panzereinheiten in Bagdad nordwärts zum Tigris und dann in Richtung Bagdader Flughafen im Westen vorgerückt seien (siehe Grafik). Iraks Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf sagte dagegen, die US-Truppen seien lediglich bis in die Außenbezirke der 5-Million-Metropole gekommen.

Nach Angaben von US-Militärsprecher Frank Thorp kam es bei dem Panzervorstoß zu „sporadischen heftigen Kämpfen“ mit der Republikanischen Garde. Der erbitterte Widerstand, den Saddam Husseins Garden den US-Panzereinheiten in Bagdad offenbar leisteten, hängt auch mit dem Selbstverständnis der irakischen Eliteeinheit zusammen. Sämtliche dieser Truppen tragen symbolträchtige Namen. Etwa die Nebukadnezar-Division: Nebukadnezar II, König von Babylon (604-562 v. Chr.), eroberte in ruhmreichen Kriegen weite Teile des Nahen Ostens, zerstörte Jerusalem und führte die jüdische Oberschicht in die Babylonische Gefangenschaft. Auch die Hammurabi-Division, die in den vergangenen Tagen vom Norden in den Südwesten Bagdads verlegt wurde, verdankt ihren Titel einem babylonischen König.

Die Namen der anderen Truppenteile der Garden sind der arabischen Tradition entlehnt. Die einst als am stärksten angesehene Gardeeinheit, die Medina-Division, steht dem Politologen Gamal Abdelnasser vom Zentrum Moderner Orient in Berlin zufolge für die heilige Stadt Medina in Saudi-Arabien, aber auch für „die Stadt“, also Bagdad. Die Division „Adnan“ trage den Namen der nördlichen der beiden Stämme, aus denen die arabische Nation hervorging und deren Nachfahren heute im Irak, in Syrien und Palästina wohnen.

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