Politik : Der Traum vom Mitregieren Grüne, Freie Wähler und FDP im Bayernwahlkampf

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An die Urnen. Bayern wählt am 15. September einen neuen Landtag. Foto: dpa
An die Urnen. Bayern wählt am 15. September einen neuen Landtag. Foto: dpaFoto: dpa

München - Wie soll man sie anreden, diese Frau mit den feuerroten Haaren? Der Grünen-Gastgeber vor Ort im Volksfestzelt von Maisach entscheidet sich so: „Begrüßen wir unsere künftige mindestens stellvertretende Ministerpräsidentin Margarete Bause.“ Die 54-Jährige steht im bayerischen Landtagswahlkampf an der Spitze der Grünen. Obwohl in der Opposition, ist ihre Lage recht komfortabel – in Umfragen liegt die Partei über den 9,4 Prozent der Wahl im September 2008. Den Bürgern versucht Bause vor allem näherzubringen, dass der Freistaat schon viel grüner sei, als es manche denken. „Dafür haben wir nur die falsche Regierung“, ruft Bause den 200 Besuchern im eher schlecht gefüllten Festzelt zu.

Von einem mauen Wahlkampf wird überall berichtet, Bayerns Sommerferien enden erst drei Tage vor der Wahl. Doch ist Margarete Bause eher eine nicht so sehr polternde Großstadt-Grüne aus München-Schwabing. Sie knöpft sich die Energiewende vor und listet die Fehler auf, die CSU und FDP in Bayern angeblich machen. Da geht es um Gaskraftwerkssubventionierung, Abstandsregelungen für Windräder und die EEG-Umlage. Zweites großes Thema ist die Bildung, Bause resümiert: „Wir können nicht Kinder des 21. Jahrhunderts im System des 19. Jahrhunderts unterrichten.“ Sie klagt Stress, Druck und „rigorose Sortierung“ an. Nur wenn die SPD jetzt deutlich zulegt, könnte es für sie zu einem Dreier-Bündnis mit Grünen und Freien Wählern (FW) reichen.

Tags darauf, gleicher Ort, gleiches Zelt: Der kantige Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger wird als „künftiger Minister“ vorgestellt. Er könnte den Königsmacher spielen – jedoch nur, wenn die FDP aus dem Landtag fliegt und die CSU die absolute Mehrheit nicht packt. Dann läge es an den FW zu entscheiden, ob sie lieber mit der CSU oder mit Rot-Grün koalieren. Aiwanger hält sich das offen, bis zuletzt.

Mit Forderungen poltert der 42-jährige Bauernsohn aus Niederbayern nur so los. Die fleißigen Leute vor Ort seien die Gelackmeierten, während die Großen die Fehler machten und sich die Taschen vollschaufelten. Aiwanger sorgt sich um schlechte Schulen, weshalb die Eltern auch noch Nachhilfe bezahlen müssen, und um „den letzten Metzger, den letzten kleinen Bauern am Ort“– dahingerafft von der Lebensmittelindustrie und Billigschlachtern. Und dann das große Euro-Thema, die FW lehnen die Rettungsschirme ab. Diese hätten „ die Abzocker gerettet“, ruft der FW-Chef, „Spekulanten von der Deutschen Bank“. Nichts gegen die „kleinen Griechen“, doch die Banker seien „Herren in Nadelstreifen, die noch nie eine Schaufel in der Hand gehabt haben“. Mit 10,2 Prozent sitzen die FW im Landtag, in den Umfragen stehen sie etwas schwächer da.

Die FDP hatte es 2008 mit 8,0 Prozent ins Parlament geschafft – nach fast eineinhalb Jahrzehnten Diaspora. FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil steht dem Wirtschaftsressort vor und ist Vize-Ministerpräsident. Der 57-Jährige, an dem manche seine Besonnenheit schätzen, während er auf andere träge wirkt, macht den Wahlkampf anders. Bierzelt, große Reden – das ist seine Sache nicht. Vielmehr tingelt er durchs Land und besucht vorwiegend Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Trotz der gut laufenden Wirtschaft schafft die FDP in den Umfragen kaum fünf Prozent. Zeil setzt darauf, dass viele Wähler eine absolute CSU-Mehrheit ablehnen. Die Liberalen sieht er gar als „Motor und Korrektiv in der Koalition“. Und er warnt vor „Selbstherrlichkeit und Klüngelei bei absoluten Mehrheiten“.Patrick Guyton

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