Politik : Der Umweltmeister

Bundesstiftung ehrt Klaus Töpfer für sein Lebenswerk

Dagmar Dehmer[Magdeburg]

Klaus Töpfer zieht bedauernd seine linke Augenbraue nach oben, hält kurz inne und grinst plötzlich über das ganze Gesicht. Peter Lüth hat ihm eben ein Kompliment gemacht: „Dadurch, dass ich mir den deutschen Umweltpreis mit Klaus Töpfer teilen muss, verringert sich das Preisgeld“, kurze Pause, „aber es verdoppelt sich sein Wert“. Dass es sich lohnt, dem Unternehmer Lüth genau und bis zum Ende zuzuhören, hat Klaus Töpfer sofort erkannt. Beide freuen sich sichtlich, den höchstdotierten europäischen Umweltpreis, den die deutsche Bundesstiftung Umwelt seit zehn Jahren vergibt, gemeinsam entgegenzunehmen. Am Sonntag hat ihnen Bundespräsident Johannes Rau in Magdeburg die Auszeichnung und jeweils 250 000 Euro überreicht.

Klaus Töpfer ist für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Umweltminister Jürgen Trittin würdigte seinen Vorgänger und heutigen Chef des UN-Umweltprogramms als einen, der „geradezu zum Synonym für den globalen Umweltschutz“ geworden sei. Der CDU-Politiker Töpfer sei längst eine „überparteiliche Autorität“. Peter Lüth gab zu, sein Unternehmen sei noch klein und fügte trocken hinzu: „Bisher haben uns die Agrarchemie-Konzerne noch übersehen. Das dürfte sich heute geändert haben.“

Die Umweltstiftung zeichnete Lüth für die Entwicklung und Markteinführung eines natürlichen Pflanzenschutzmittels aus. Mit den Sporen eines von Lüth entdeckten Pilzes macht der Agrarökonom aus Mecklenburg-Vorpommern den Konzernen bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten bereits Konkurrenz. Seine lebenden Pilzsporen lassen sich genauso einfach auf den Acker ausbringen wie chemische Agrargifte und sie sind noch nicht einmal teurer. Kein Wunder, dass die kleine Fabrik in Wismar nicht mehr reicht, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Seine Zukunft sieht Lüth in den Entwicklungsländern. Rund drei Milliarden Euro werden im Markt für Pestizide jährlich umgesetzt, in vielen Ländern noch immer für hochgiftige Mittel. Lüths neueste Idee ist ein Pilz, der hartnäckige Fadenwürmer in den Wurzeln von Bananenstauden angreift. „Die ersten Versuche in Costa Rica laufen schon.“

Klaus Töpfer hat auch schon eine Idee, was er mit seinem Preisgeld anfangen will. Nachdem es ihm gelungen ist, die verrufene Behörde in Nairobi wieder flott zu machen – er selbst sagte, „ihre Glaubwürdigkeit sei wieder hergestellt“ –, will er der Stadt ein Hilfsprogramm schenken. Töpfer möchte kleine Unternehmen anschieben, die der Umwelt nützen. In dem Land, in dem er mit der Bemerkung „Ihr Europäer habt die Uhren, wir haben die Zeit“ empfangen worden ist, hinterlässt Töpfer nun eine eigene Spur: Er will den „vielen jungen Menschen, die morgens aufstehen und nichts zu tun haben“, Arbeit verschaffen. „Mit dem Preisgeld gebe ich mich nicht zufrieden“, versprach er.

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