DER VATER : Kerle, ab ins Kinderzimmer! Väter sind die besseren Mütter

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Ein Sommer am Familienstrand. Schippe, Schaufel, Sandburg. Und mehrere Paar leuchtender Augen. In den Gesichtern der Kinder, klar. Aber noch mehr Begeisterung leuchtet aus denen der Väter, wenn sie den Feuchtstreifen zwischen Wasserlinie und Sonnenschirmen untertunneln dürfen und Befestigungstürme aus Plastikeimern gießen. Schon mal eine Mutter beim Strandumgraben gesehen, womöglich eine, der man ansähe, dass sie die Welt darüber vergessen hat? Eben. Haben Sie eine einzige Freundin, die aus mehr als Pflichtgefühl Puppentheater spielt oder bäuchlings im Kinderzimmer Märklins Starterkit Spurbreite H0 zusammenstecken würde? Die nicht schon mal beim Kaffee, so unter Pfarrerstöchtern, gestanden hätte, dass sie das Bespaßen des Nachwuchses für den härtesten Teil ihres Mutterdaseins hält?

Wer das als privaten Klatsch abtut, möge sich an die Statistik halten. 2006 reagierte Deutschland mit einem Aufschrei, als der 7. Familienbericht der Bundesregierung es an den Tag brachte: Nicht berufstätige Mütter, die doch eigentlich alle Zeit fürs Kind haben sollten, verbringen gerade mal 20 Minuten mehr pro Tag mit ihren Kindern als die vollzeiterwerbstätigen Schwestern in Schweden und Frankreich. Die deutsche Mutter – eine fromme Lüge. Aber vielleicht eine, die weiterbringen könnte auf dem Weg zu einer kinderfreundlicheren Welt. Überlassen wir die Kinder doch lieber den Vätern. Wenn der Mensch beim Spiel am ehesten bei sich selbst ist, dann sollten wir den homo ludens schlechthin, das Kind, nicht mit Erwachsenen zusammenspannen, die daran anscheinend so wenig Spaß haben. Bringen wir sie lieber mit Gleichgesinnten, zusammen: ihren Vätern. Kerle, übernehmt endlich die Kinder!

Die Zeit und Energie, die so frei würde, könnten Frauen in lauter nützliche Dinge investieren: länger arbeiten und sich nicht nur eine eigene – oder deutlich bessere – Rente erwirtschaften. Papas Ernährerrolle erleichtern. Und nebenbei ein bisschen die Welt verbessern: Quoten würden zum Unwort, die wären einfach erreicht, und die stärkere Präsenz von Frauen am Band, im Büro und an der Hobelbank würde die Betriebskultur radikaler verändern als alle frommen Wünsche: kürzere Sitzungen, weniger heimliche Tagesordnungen von der Art, bei der es mehr um (langatmige) Selbstdarstellung der anwesenden Schlipsträger als um die Sache geht, deretwegen man angeblich zusammensitzt.

Die Welt, die so entstünde, wäre nicht nur gerechter, sie würde auch besser funktionieren. Schließlich mühen sich die fortgeschritteneren von Deutschlands Unternehmen nicht deshalb um mehr Frauen, weil sie spät den Feminismus entdeckt haben, sondern weil sie wissen, dass bunte Teams – ethnisch, kulturell und geschlechtergemischt – bessere Ergebnisse bringen als monochrom anzuggraue.

Und die Väter? Die wären im Kinderzimmer nicht nur öfter bei sich selbst. Sie fänden beim Pendeln zwischen Spiel- und Arbeitsplatz auch im Job endlich Arbeitsbedingungen vor, von denen sie selbst heimlich schon lange träumen. Und könnten am Muttertag endlich einmal mit Fug und Recht sagen: Danke, Mama. Andrea Dernbach

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