Politik : Der Vermittler

Sayed Gailani verhandelt mit seinen Erzfeinden, den Taliban

Ulrike Scheffer

Die Eleganz eines Hamid Karsai hat er nicht. Aber Sayed Ishaq Gailani konkurriert auch nicht um den Titel „schickster Mann des Planeten“, der Karsai kürzlich verliehen wurde. Der 46-Jährige will Präsident Afghanistans werden und könnte bei den Wahlen im Juni gegen Karsai antreten. Seine Chancen stehen nicht schlecht. Gailani entstammt einer der bedeutendsten Familien des Landes. Die Partei des Präsidentschaftskandidaten, die „Nationale Solidaritätsbewegung“, tritt für eine „Demokratie mit islamischem Antlitz“ ein. Das islamische Recht, die Scharia, sei durchaus mit einem demokratischen Rechtsstaat vereinbar.

Schon im pakistanischen Exil sammelte Gailani, ehemaliger Widerstandskämpfer gegen die sowjetischen Besatzer, gemäßigte Islamisten und Kommunisten um sich. Ihr gemeinsames Ziel: die Vertreibung der Taliban. Gailani stand auf der Todesliste der „Gotteskrieger“ an erster Stelle. Die Taliban versuchten mehrmals, ihn umzubringen. Nach ihrem Sturz kehrte der Jurist und Politikwissenschaftler in seine Heimat zurück. Doch auch jetzt fühlt sich Gailani nicht sicher. „Auch in der neuen Regierung habe ich Feinde.“ Die Macht sei in Händen von Kriegsherren, die jederzeit wieder einen Bürgerkrieg beginnen könnten, warnt der Politiker. Er spricht sich daher gegen eine Staatsform aus, die auf einen starken Mann an der Spitze setzt: „Afghanistan braucht ein starkes Parlament, von starken Persönlichkeiten haben wir genug."

Als die UdSSR das Land 1979 besetzte, schloss sich Gailani dem Widerstand an. Heute sucht er nach friedlichen Konfliktlösungen und verhandelt sogar mit seinen Erzfeinden, den Taliban. „Unter den Kämpfern sind Pakistaner, Araber, aber auch viele junge Afghanen. Sie müssen wir überzeugen, sich von den Ausländern loszusagen", erläutert Gailani seine Strategie. Er ist zuversichtlich, dass sie aufgeht.

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