Politik : Der Vorsprung schmilzt

Politbarometer sieht Schwarz-Gelb weiter vorn, aber Siegesgewissheit der Unionsanhänger lässt nach / SPD im Osten halbiert

-

Für das aktuelle Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel hat die Forschungsgruppe Wahlen vom 19. bis 21. Juli gut 1700 Bürger befragt.

In der politischen Stimmung gibt es acht Wochen vor der Bundestagswahl für alle Parteien Veränderungen: Verloren haben SPD, CDU/CSU und FDP, zulegen konnten die Grünen, klare Gewinnerin in dieser Woche ist die Linkspartei/PDS. Die SPD erreicht nur noch 24 Prozent (minus eins), die Union verliert stärker und kommt auf 44 Prozent (minus drei). Die Grünen erzielen elf Prozent (plus zwei), und die FDP kommt auf sechs Prozent (minus eins). Die ehemalige PDS hat sich nach ihrer Umbenennung in Linkspartei/PDS im Vergleich zu Anfang Juli um drei Prozentpunkte verbessert und liegt jetzt bundesweit bei zwölf Prozent. Im Osten hat sie einen besonders großen Sprung gemacht: Nach 25 Prozent vor zwei Wochen kommt sie dort jetzt auf 34 Prozent und ist damit momentan knapp stärker als die Union (33 Prozent).

Vergleicht man die jetzige politische Stimmung im Osten mit dem Wahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl, wird ersichtlich, dass die Unterstützung für die Linkspartei hauptsächlich zulasten der SPD geht: Sie hat 2002 im Osten 39,8 Prozent der Stimmen gewonnen, das hat sich jetzt nahezu halbiert. Die CDU hatte damals 28,3 Prozent erreicht und steht somit jetzt um fast fünf Punkte besser da. Die Zustimmung für die Linkspartei/PDS, die damals 16,8 Prozent erreicht hatte, hat sich indessen verdoppelt.

Da politische Stimmungen immer nur eine Momentaufnahme sind, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem entfernten Wahltag nicht zulässig. Die Projektion auf Grund langfristiger Erkenntnisse über das Wahlverhalten ergibt daher ein etwas anderes Bild. Demnach sähe das Ergebnis so aus, wäre am kommenden Sonntag tatsächlich Bundestagswahl: Union 43, SPD 26, Grüne zehn, Linkspartei/PDS zehn, FDP sieben. Union und FDP hätten also nach wie vor eine parlamentarische Mehrheit.

Drei Viertel der Wähler erwarten einen Sieg der Opposition mit Angela Merkel als Spitzenkandidatin der Union, nur zehn Prozent gehen von einem Sieg von Rot- Grün aus. Die Erwartung eines Oppositionssieges geht auch mit dem Wunsch der Bürger nach einem Regierungswechsel einher: Momentan sagen 56 Prozent, andere Parteien sollten an die Regierung kommen. Allerdings waren es im Juni noch 64 Prozent. Damit ist das politische Klima aktuell aber immer noch viel stärker von einer Wechselstimmung geprägt, als dies im Juli 2002 zirka zehn Wochen vor der letzten Bundestagswahl der Fall war: Damals sagten nur 44 Prozent, es sei Zeit für einen Regierungswechsel. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben