Der wahre Sieger : Alexis Tsipras, Chef der Radikalen Linken

Alexis Tsipras.
Alexis Tsipras.Foto: dpa

Er ist jung, dynamisch und gilt als ein Senkrechtstarter der griechischen Linken. Alexis Tsipras, 39 Jahre alt, kann sich als eigentlicher Sieger der Parlamentswahl feiern lassen. Denn unter seiner Führung dürfte das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) nach ersten Prognosen stärkste Oppositionspartei werden, hinter der konservativen Nea Dimokratia (ND) und noch vor der sozialdemokratisch ausgerichteten Pasok. Bislang hatten die Traditionsparteien ND und Pasok das Rennen immer unter sich ausgemacht. Alexis Tsipras startete seine politische Laufbahn als Schüleranführer in den 90er Jahren und stieg schnell bis an die Spitze der Partei der ehemaligen „Eurokommunisten“ auf. Im Jahr 2004 wurde er zum Syriza-Präsidenten gewählt. Das Bündnis sieht sich selbst als Schwesterpartei der deutschen Partei Die Linke. Die dramatische Verschlechterung des Lebensstandards in Griechenland und die drastischen Sparprogramme trieben Alexis Tsipras’ Partei die Wähler in Scharen zu. Viele ehemalige Wähler der Pasok, des Wahlsiegers von 2009, zog es weiter nach links. Damit straften sie die bisherige Regierungspartei Pasok auch für jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft ab.

Der Star der Linken, Alexis Tsipras, hat viele Gesichter. Mal spricht er wie ein Kommunist und wünscht die Verstaatlichung der Produktionsmittel des Landes. Dann präsentiert er sich im Stil des US-Menschenrechtlers Martin Luther King und spricht von seinem Traum, dass alle Griechen eines Tages gleiche Rechte genießen. Tsipras kann in seinem Urteil gnadenlos und verletzend sein. So beleidigte er die beiden Führer der bislang regierenden Traditionsparteien der Konservativen und Sozialisten als „politische Gauner“. Am Tag der Wahl verkündete er: „Das Volk schickt heute eine Nachricht an Europa.“ Nach „zweieinhalb Jahren der Barbarei“ sei am Sonntag die Demokratie „endlich an ihren Geburtsort zurück gekehrt“, sagte Tsipras. Nach seinem Willen soll Griechenland in der Eurozone bleiben und die Banken verstaatlichen. Gleichzeitig will er, dass die Renten wieder erhöht und die Schulden nicht beglichen werden. Doch wie das genau funktionieren soll, ohne dass die Geldgeber dem Krisenland den Hahn abdrehen und die Staatspleite droht, hat er bislang nicht erklärt.

(dpa/dapd)

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