Politik : Der wandelbare Senor Santos

Kolumbiens neuer Präsident sucht den Dialog

Bogotá - Bei seinem Amtsantritt am Samstag gab sich der neue Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, versöhnlich. Vor allem gegenüber den Nachbarländern Venezuela und Ecuador: Die kolumbianischen Guerillagruppen wolle er weiter unerbittlich bekämpfen, doch sei die „Tür zum Dialog nicht verschlossen“, sagte der 58-Jährige und setzte sich damit vorsichtig von seinem Vorgänger Álvaro Uribe ab: „Die Stunde ist gekommen, den Hass zu begraben.“ Santos hatte mit 69 Prozent der gültigen Stimmen im Juni die Stichwahl gewonnen. Dabei profitierte der Ökonom und Journalist von der anhaltend hohen Popularität Uribes, der in seiner achtjährigen Amtszeit den Farc-Rebellen schwer zugesetzt hatte, ohne sie jedoch militärisch besiegen zu können.

Als Verteidigungsminister von 2006 bis 2009 spielte Santos dabei eine entscheidende Rolle. Im März 2008 ordnete er den Luftangriff auf ein Farc-Lager auf ecuadorianischem Territorium an, bei dem der Rebellenkommandant Raúl Reyes getötet wurde. Einige Monate später konnte er medienwirksam die Befreiung der entführten Politikerin Ingrid Betancourt aus den Fängen der Farc feiern. In Santos’ Amtszeit fiel allerdings auch der Skandal der „falsos positivos“, der falschen Gefallenen: Über 2300 junge Zivilisten wurden in den vergangenen Jahren unter falschen Versprechungen aus städtischen Armenvierteln in Kriegsgebiete gelockt. Dort wurden sie von Soldaten ermordet und anschließend als getötete Guerilleros ausgegeben, um die Erfolgsstatistik der Armee aufzubessern.

Der verheiratete Vater dreier Kinder stammt aus der mächtigen Politiker- und Journalistenfamilie Santos aus Bogotá. Großonkel Eduardo war von 1938 bis 1942 Staatschef, Vetter Francisco amtierte unter Uribe als Vizepräsident. Zusammen mit dem spanischen Planeta-Konzern kontrolliert die Dynastie die „El Tiempo“-Mediengruppe um die gleichnamige Tageszeitung. Nach Abschluss der Marineakademie in Cartagena vertrat Santos in den 70er Jahren Kaffeefarmer in London, dann wurde er stellvertretender Chefredakteur von „El Tiempo“. Seit 1991 widmet er sich der Politik. Als Mitglied der Liberalen Partei amtierte er unter mehreren Präsidenten als Außenhandels- und Finanzminister.

Während Uribes erster Amtszeit verließ er die Liberalen und gründete für den Präsidenten die U-Partei, seit 2006 die größte Kraft im kolumbianischen Parlament. Der Wirtschaftsliberale steht zwar für Kontinuität, aber in Herkunft und Politikstil unterscheidet er sich klar von Uribe. Statt weiter auf Polarisierung zu setzen, strebt er eine „Regierung der nationalen Einheit“ an. Auch der Sozialpolitik will Santos mehr Gewicht einräumen als sein Vorgänger. Den Kolumbianern wolle er „ein bisschen mehr Wohlstand, ein bisschen mehr Gerechtigkeit und die göttliche Gabe des Friedens“ bringen, zitierte er aus der Antrittsrede seines Großonkels Eduardo Santos aus dem Jahre 1938. epd

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