Politik : Der Weg zum Krieg

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Seit dem 11. September 2001 und spätestens seit George W. Bushs Rede zur Lage der Nation am 29. Januar 2002 wurde immer deutlicher: Die USA sind bereit für einen Krieg gegen den Irak. Die Chronik eines angekündigten Krieges:

3. Juni 2002 : Bush stellt seine so genannte BushDoktrin vor. Es bleibt kein Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten auch alleine bereit sind, gegen den Irak vorzugehen.

5. Juli : Die New York Times berichtet über Planungen des Pentagon für einen Krieg gegen den Irak. Bush verkündet, der Regierungswechsel sei ein festes Ziel.

13. Juli: Sieben verletzte Zivilisten durch amerikanische Kampfflugzeuge, das meldet die Regierung in Bagdad. Die USA bestätigen den Angriff.

27. Juli : „The Guardian“ berichtet, Toni Blair habe Bush die volle militärische Unterstützung für einen Angriff gegen den Irak zugesagt. Der Bericht bestätigt sich später.

4. August : Der Chef der UN-Waffeninspektion, Hans Blix, schlägt die irakische Einladung zu Gesprächen nach Bagdad aus. Zunächst müsse der Irak die Wiederaufnahme der 1998 ausgesetzten Waffeninspektionen akzeptieren.

5. August: Gerhard Schröder spricht von dem „Deutschen Weg“. Er sagt: „Druck auf Saddam Hussein ja, aber Spielerei mit Krieg und militärischer Intervention – davor kann ich nur warnen, das ist mit uns nicht zu machen.“

8. August : Der irakische Staatschef Saddam Hussein warnt vor einem Angriff und verkündet, sein Land sei bereit, zurückzuschlagen. Dennoch wolle er alle UN-Resolutionen erfüllen und die Waffeninspekteure ins Land lassen.

29. August : US-Vizepräsident Dick Cheney plädiert für einen Regierungswechsel in Bagdad. Der britische Außenminister Jack Straw fordert, Saddam Hussein mit einem Ultimatum der UN zur Kooperation zu zwingen.

31. August: Die EU-Außenminister bekunden ihre kritische Haltung zu einem Angriff auf den Irak. Außenminister Joschka Fischer resümiert: „Niemand hier ist für ein unilaterales Vorgehen oder eine Invasion als Mittel für einen Regimewechsel.“

1. September: Zahlreiche Demonstrationen anlässlich des Antikriegstages.

6. September : Rund hundert britische und US-Kampfflugzeuge fliegen in den Irak. „Der größte Angriff seit vier Jahren“, vermuten die Medien.

8. September US–Präsident Bush fordert eine klare Frist für den Irak.

5. Oktober: Blix und der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed Al Baradei, fordern neue Instruktionen. US-Außenminister Colin Powell sagt, die Inspekteure sollten erst nach einer neuen Resolution der UN mit ihren Ermittlungen fortfahren.

8. November: Der Weltsicherheitsrat stimmt für die Irak-Resolution 1441, mit der Saddam Hussein zur Abrüstung aufgerufen wird.

27. November : Die Inspekteure nehmen ihre Arbeit auf. Fristgerecht legt Bagdad unterdessen einen Waffenbericht vor. Die USA und Großbritannien kritisieren das 12 000 Seiten umfassende Dokument als unzureichend.

9. Januar 2003 : Hans Blix informiert den Weltsicherheitsrat, bislang seien keine illegalen Waffen gefunden worden. Der irakische Bericht sei jedoch lückenhaft.

16. Januar: Die Inspekteure entdecken südlich von Bagdad zwölf nicht deklarierte Chemiewaffen-Sprengköpfe. Die irakische Regierung spielt den Fund herunter.

27. Januar : Der erste Kontrollbericht erscheint. Blix und Al Baradei werfen dem Irak schwere Versäumnisse vor und fordern mehr Zeit.

28. Februar : US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beleidigt Europa: „Sie denken bei Europa an Deutschland und Frankreich. Ich nicht. Das ist altes Europa.“

5. Februar : Powell zeigt dem Sicherheitsrat Geheimdienstmaterial über den Irak.

14. Februar: Der zweite Kontrollbericht liegt vor. Keine Beweise für Massenvernichtungswaffen, ihre Existenz sei aber nicht auszuschließen. Iraks Staatschef Saddam Hussein verbietet Entwicklung und Import solcher Waffen.

15. Februar : Über 11,5 Millionen Menschen überall auf der Welt nehmen an Demonstrationen gegen einen Krieg gegen den Irak teil.

23. Februar : Der Irak stimmt dem Einsatz deutscher Drohnen und französischer Mirage-Maschinen für Aufklärungsflüge über dem Land zu.

1. März : Fristgerecht beginnt der Irak mit der Zerstörung von Raketen des Typs Al Samoud 2, deren Reichweite die erlaubten 150 Kilometer übersteigt.

30. Januar : Blair und der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar starten den „Appell der acht“ zu einer gemeinsamen Irak-Politik, ohne Frankreich und Deutschland zu informieren.

7. März : Dritter Kontrollbericht. Blix dringt auf Fortsetzung der Inspektionen.

14. März : Der Irak übermittelt den UN-Waffeninspekteuren Informationen über den Verbleib früherer Bestände des Nervengases VX.

15. März : Erneute Demonstrationen in allen Teilen der Erde. In Berlin bilden Kriegsgegner eine rund 35 Kilometer lange Lichterkette.

17. März : Die USA fordern die Inspekteure auf, sich aus dem Irak zurückzuziehen.

18. März : Bush gibt Saddam eine Frist von 48 Stunden – dann soll es endgültig einen Krieg geben.

20. März: Um 3.34 Uhr (MEZ), gut eineinhalb Stunden nach Ablauf des Ultimatums, schlagen in Bagdad Marschflugkörper ein. Um 4.15 Uhr (MEZ) erklärt US-Präsident Bush: Der Krieg hat begonnen. I.K.

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