Politik : Der Zauber Indiens

Frankreichs Präsident Sarkozy hofft auf gute Geschäfte – nicht zuletzt für die Atom- und Rüstungsindustrie

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Hand in Hand auf internationalem Parkett. Nicolas Sarkozy mit Gattin auf einem Meeting der indischen Weltraumorganisation Isro in Bangalore – flankiert von Finanzministerin Christine Lagarde (l.) und Außenministerin Michele Alliot-Marie (r.). Foto: Philippe Wojazerbei/Reuters
Hand in Hand auf internationalem Parkett. Nicolas Sarkozy mit Gattin auf einem Meeting der indischen Weltraumorganisation Isro in...Foto: REUTERS

Es ist ein großer Tross, mit dem der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Samstag seine Charmeoffensive in Indien begonnen hat. Sieben Minister, darunter die Nummer zwei der Regierung, Verteidigungsminister Alain Juppé, sowie Finanzministerin Christine Lagarde, außerdem 70 Firmenchefs und seine Frau Carla Bruni, die sich sonst oft rar macht, gehören zum Gefolge des Präsidenten. Der Staatsbesuch, der vier Tage dauern wird, begann in Bangalore, danach wird die Delegation auch Neu-Delhi und Mumbai besuchen.

Es ist einer der längsten Staatsbesuche für den Präsidenten, denn in Indien geht es um viel für Frankreich. Sarkozy hofft auf milliardenschwere Aufträge für die Rüstungs- und Atomindustrie. Auch in seiner Rolle als neuer Präsident der G-20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, zu denen auch Indien zählt, will Sarkozy die indische Unterstützung für seine Projekte bekommen.

Sarkozy ist allerdings nicht der Einzige, der um Indien mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern und einem Wirtschaftswachstum von knapp neun Prozent wirbt. Das Land ist nach China der wichtigste Motor der internationalen Wirtschaft. Sarkozy folgt US-Präsident Barack Obama, der Indien vor einem Monat besuchte. Vor allem Frankreichs Atomindustrie hofft auf Geschäfte mit Indien, nachdem das Land den Bau von fast 20 neuen Atomkraftwerken angekündigt hat. Frankreichs Atomkonzern Areva ist einer der Favoriten für den Bau von zwei Kraftwerken im Westen Indiens. Paris schließt nicht aus, dass eine Vereinbarung über zwei EPR-Druckwasserreaktoren für sieben Milliarden Euro noch während Sarkozys Besuch unterzeichnet werden könnte. Langfristig sind sogar sechs Atomkraftwerke im Gespräch. Areva braucht neue Aufträge, um das Wachstum des Konzerns zu finanzieren, nachdem eine geplante Kapitalerhöhung nicht so schnell durchzuführen ist wie geplant. Doch der Elyséepalast gibt sich noch vorsichtig und will nicht zu früh triumphieren. „Indien ist eine Schule der Geduld“, sagte ein französischer Berater. Aber auch die Rüstungsindustrie setzt auf die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien. Es geht um 51 Mirage-Kampfflugzeuge und weitere 126 Kampfflugzeuge des Typs Rafale sowie Hubschrauber. Die indische Regierung will innerhalb des kommenden Jahrzehntes rund 80 Milliarden Dollar in die Verteidigung investieren.

Im Gespräch mit dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh am Montag will Sarkozy laut Informationen aus dem Elyséepalast zudem für seine Pläne zur Reform der G-20-Gruppe werben. Unter anderem will Frankreich die internationale Währungspolitik reformieren und dabei Wechselkursschwankungen eindämmen. Er setzt sich ebenfalls dafür ein, dass die Preise für Rohstoffe weniger schwanken. Schon vor dem Treffen hat Sarkozy auch seine Unterstützung für einen ständigen Sitz Indiens im UN-Sicherheitsrat zugesagt. Er betonte gleich zu Beginn des Besuches die Bedeutung des Landes für die französische Außenpolitik. „Die Beziehung zwischen Frankreich und Indien hat nicht nur eine wirtschaftliche Dimension“, sagte Sarkozy. Auf dem Programm des privaten Teils der Reise steht schließlich ein Besuch mit Carla Bruni am Taj Mahal, der als Monument für die Liebe gilt. Frankreichs First Lady war bei Sarkozys erster Indienreise im Januar 2008 aus diplomatischen Gründen nicht dabei, weil die beiden noch nicht verheiratet waren.

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