• Der ZDF-Beitrag zum 9. November erhitzt die Gemüter - kommenden Montag findet ein öffentliches Streigespräch mit prominenter Besetzung statt

Politik : Der ZDF-Beitrag zum 9. November erhitzt die Gemüter - kommenden Montag findet ein öffentliches Streigespräch mit prominenter Besetzung statt

Claus-Dieter Steyer

Die Stimmung in Frankfurt (Oder) kocht. Ein zehnminütiger Beitrag über die Stadt in der ZDF-Sendung "Frontal" am 9. November hat die Mehrzahl der Einwohner offenbar dermaßen aufgewühlt, dass es am kommenden Montag zum Streitgespräch mit prominenter Besetzung kommt: Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), Bildungsminister Steffen Reiche (SPD), Frankfurts Oberbürgermeister Wolgang Pohl (SPD), ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser und "Frontal"-Macher Ulrich Kienzle haben sich zur Diskussion in der Konzerthalle angesagt, die schon jetzt Stadtgesprächsthema Nummer 1 ist. Seit der Ausstrahlung der Sendung druckt die "Märkische Oderzeitung" täglich Briefe von aufgebrachten Lesern. Die Redaktion wählte dafür die Schlagzeile "Eine Region wehrt sich gegen Manipulation."

Das ZDF-Team wollte zum Jahrestag des Mauerfalls nachfragen, was aus den in den vergangenen zehn Jahren in den Osten geflossenen Geldern geworden ist. So lautete jedenfalls die Moderation des Magazinbeitrages. Offensichtlich haben sich dann die Frankfurter aber nicht in dem Bericht wiedergefunden oder zumindest nicht vollständig. Denn anders sind die Überschriften der Leserbriefe nicht zu deuten: "Positives wurde verschwiegen", "Unter der Gürtellinie", "Gegen den Baum - frontal", "Ade seriöser Journalismus", "Wehrt Euch!", "Miserabel recherchiert", "Schüler von Schnitzler?".

Oberbürgermeister Pohl sprach in einem offenen Brief gar von "Apartheid". Denn daran würde ihn das Wort von der angeblichen "Wagenburg der Wessis" im Vorort Rosengarten erinnern. "Erstens gibt es diese so genannte Wagenburg nicht und zweitens entlarvt gerade dieser Begriff den Autor", sagte Pohl. "Hier sollen offensichtlich neue Mauern hochgezogen werden."

Viele Frankfurter unterstellen dem Magazin eine negative Einstellung zur Stadt und zum Osten insgesamt. Die Empörung macht sich beispielsweise an den gezeigten Szenen in einem aufwendig restaurierten Stadtteil fest. Ausgerechnet auf die einzigen beiden unsanierten Häuser einer Straße richtete sich die Kamera. Auch könne bekanntlich nicht jeder kurzgeschorene Jugendliche nur wegen seines Äußeren als Rechter hingestellt werden. "Die Frisur ist doch heutzutage in Mode, da muss man nur auf die Fußballplätze in der ganzen Welt gucken", schrieb der Mannschaftsleiter der im Film als "Glatzen" bezeichneten Fußballer.

Besonders im Gedächtnis der Zuschauer aber ist das Singen der DDR-Nationalhymne durch einen Chor der Volkssolidarität geblieben. Während die Chorleiterin erklärte, der ZDF-Redakteur habe geradezu gebettelt, etwas von früher zu singen, verbreitet das ZDF eine andere Variante: Drei Mal hätten die Senioren die Hymne für das Team begeistert gesungen.

Andere von der Stadt vorgeschlagene Gesprächspartner wie der Direktor des erfolgreichen Instituts für Halbleiterphysik oder die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina seien vom ZDF gar nicht berücksichtigt worden, beklagte der Oberbürgermeister. Ein Interview mit dem Beigeordneten für Soziales habe offensichtlich nicht ins Bild gepasst. Für genügend Brisanz für das Streitgespräch am Montag dürfte gesorgt sein.

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