Politik : Der zwanzigste Mann?

Sabine Heimgärtner

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA ist Zacarias Moussaoui, ein Franzose marokkanischer Abstammung, der erste Angeklagte. Nach Angaben des US-Justizministeriums steht der 33-jährige Ex-Student an der südfranzösischen Universität Narbonne im Verdacht, die Anschläge vom 11. September gemeinsam mit den 19 Flugzeugentführern vorbereitet zu haben. Am 17. August war Moussaoui auf Grund eines Hinweises einer Flugschule im Bundesstaat Minnesota festgenommen worden, einer Flugschule, für die sich bereits der später als Anführer des Terrorkommandos verdächtigte Mohammed Atta interessierte.

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Den Fluglehrern war aufgefallen, dass sich der seit Februar 2001 in den USA lebende Mann nur für die Ausbildung im Geradeaus-Fliegen, nicht aber für das Starten und Landen interessierte. Eine Überprüfung seiner Personalien ergab, dass sein Visum abgelaufen war. Deshalb und wegen seines "seltsamen Verhaltens" kam Moussaoui zunächst in Untersuchungshaft. Erst drei Tage nach den Anschlägen nahmen die FBI-Ermittler den "Fall Moussaoui" ernst, obwohl der bereits vorher informierte französische Geheimdienst mitgeteilt hatte, dass Moussaoui enge Kontakte mit islamistischen Kreisen pflegt. Bis zur Anklage am Dienstag war Moussaoui als wichtiger Zeuge festgehalten worden. Zwar hatte er seitdem jede Kooperation mit den Ermittlern verweigert, das FBI will aber Hinweise haben, dass er als 20. Flugzeugentführer vorgesehen war, als Kamikaze-Flieger in dem Flugzeug von United Airlines, das bei seinem Flug Nummer 93 in der Nähe von Pittsburg abgestürzt ist.

In ihrem Verdacht bestätigt sehen sich die US-Behörden durch die Tatsache, dass Moussaoui, der wie die anderen Attentäter in der Öffentlichkeit als studentischer Musterschüler und frommer Moslem auffiel, kurz vor dem 11. September vielfältige Kontakte zu dem mutmaßlichen Anführer der terroristischen Aktionen, Mohammed Atta, unterhielt. Mehrmals soll Moussaoui in der Hamburger Wohnung Attas angerufen und auch Kontakt mit Ramzi Bin Al-Shib aufgenommen haben, dem einzigen Verdächtigen, der bislang noch auf der Flucht ist. Weil ihm, der nach bisherigen Erkenntnissen als fünftes Mitglied des Terrorkommandos auf dem Flug Nummer 93 vorgesehen war, das Visum verweigert wurde, sollte Moussaoui "einspringen", so vermuten die US-Behörden und beziehen sich unter anderem auf eine aus Hamburg kommende Überweisung in Höhe von 15 000 Dollar.

In der Anklage vor dem US-Bundesgericht wird dem 33-Jährigen "Verschwörung zum Mord an Tausenden unschuldigen Menschen" zur Last gelegt. Der Prozess beginnt am 2. Januar und dürfte, so erwarten Beobachter, die US-Ermittler viel Kritik aussetzen: Obwohl sie bei der Festnahme Moussaouis konkrete Hinweise des französischen Geheimdienstes erhielten, dass der 33-jährige Franzose als "möglicher Terrorist" verdächtigt wird, unternahmen sie nichts. Die Pariser Regierung derweil will weder Todesstrafe noch Sondergerichte gegen Moussaoui akzeptieren - und sicherte dem Angeklagten konsularischen Beistand zu.

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