Politik : Des Kaisers Erben

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Historiker sind sich sicher: Die Römer waren die Ersten, die mit Beton gebaut haben. Das geschah unter der Herrschaft des Kaisers Caligula (37 bis 41 nach Christus), der heute völlig zu Unrecht nur noch als grausamer Wüstling und Verschwender, nicht aber als großer Innovator der Baugeschichte einen gewissen Ruf genießt. Ähnlich ungerecht wie mit Caligula verfuhr das allgemeine Gedächtnis mit dem Baustoff selbst. Beton gilt als Inbegriff des Unbelebten und Unflexiblen. Auch in der Politik wollte lange niemand mit dem erstarrten grauen Pulver in Verbindung gebracht werden. Schon gar nicht in einer Zeit, in der sich jeder im Wettbewerb um den Titel „Bester Reformer“ als rasend beweglich und unschlagbar innovativ darstellen möchte. Wer sagt, er habe mit Beton nichts zu tun, hat schon etwas für seinen Ruf oder den seiner Partei getan. So versicherte Regierungssprecher Bela Anda am Freitag, der Innovations-Kreis beim Kanzler sei „keine zementierte Runde“ und „kein betonierter Block“. Vielleicht hat er nicht gemerkt, dass die Reformwut von Kanzler und SPD-Fraktionschef inzwischen so weit geht, dass sie selbst das erstarrte Negativ-Bild des Betons aufbrechen wollen. Schröder pries beim Neujahrsempfang seiner Fraktion den Trassenbau der Bahn mit dem Argument, da werde ganz viel Beton eingesetzt. Franz Müntefering, vor seinem Wandel zum Reform- Fan und Innovations-Freund selbst oft als Betonkopf gescholten, verbreitet immer wieder die Botschaft:. „Beton ist ein moderner Baustoff.“ Mal sehen, wann der Kanzler endlich die Beton-Agenda für Deutschland verkündet. Motto: Nicht erst diskutieren, gleich betonieren. Denn es kommt drauf an, was wir draus machen.

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