Designierter Bundeskanzler Christian Kern : Ein Bahnchef soll Österreich auf Kurs bringen

Österreichs Bahnchef Christian Kern soll neuer Bundeskanzler werden. Das berechtigt zu verhaltenem Optimismus, zu mehr aber noch nicht. Ein Kommentar.

Reinhard Frauscher
Christian Kern, designierter Bundeskanzler in Wien
Christian Kern, designierter Bundeskanzler in WienFoto: REUTERS

Mit Christian Kern, dem künftigen SPÖ-Chef und designierten Bundeskanzler, hat Österreich einen neuen Hoffnungsträger. Die Karriere des bisherigen Chefs der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) berechtigt zu verhaltenem Optimismus, zu mehr aber noch nicht. Denn anders als sein zuletzt einziger Konkurrent, der Ex-RTL-Manager Gerhard Zeiler, steht Kern nicht für den Kampf gegen die Proporz-Republik, also die Aufteilung öffentlicher Positionen durch SPÖ und ÖVP. Der 50-jährige Kern ist ein Produkt davon und aus dieser Mechanik nie ausgebrochen.

Geboren im Wiener Arbeiterbezirk Simmering, begann der Sohn einer Sekretärin und eines Elektroinstallateurs nach dem Publizistikstudium als Pressesprecher eines SPÖ-Staatssekretärs. Von dort hievte die Partei ihn in den „Verbund“, den staatseigenen Stromversorger. Dort stieg der smarte Teamplayer rasch auf, 2010 machte ihn die SPÖ zum Chef der ÖBB.

Wie hält es Christian Kern mit der FPÖ?

Die werden seit jeher von der SPÖ dominiert. Ihre Beschäftigten sind deren eisernste Kernwähler, wofür sie mit Rentengeschenken belohnt werden. Die ÖBB-Modernisierung vollendete Kern geräuschloser als seine Vorgänger, doch immer noch verschlingt die Bahn 3,7 Milliarden Euro jährlich aus dem Bundesbudget. Managerqualitäten bewies der betont sportliche Vater von vier Kindern auch in den ersten Wochen der Flüchtlingskrise, als er die ÖBB zum Haupttransportmittel von der ungarischen zur deutschen Grenze machte.

Dass der Österreichische Gewerkschaftsbund schon früh öffentlich für Kern plädierte, lässt einen weiterhin starken Einfluss von alten SPÖ-Netzwerken befürchten, die schon bisher durch Reformblockaden für den wirtschaftlichen Abstieg der Republik hauptverantwortlich waren. Und der ist laut seriöser Politanalysen der wahre Hauptgrund für den zuletzt wieder rasanten Aufstieg der FPÖ.

Die in der Flüchtlingskrise wie nie zuvor in zwei Flügel gespaltene SPÖ zusammenzuhalten, ist Kerns erste schwere Aufgabe. Mit dem Koalitionspartner ÖVP rasch einen echten Reformstart hinzulegen, die zweite. Er wäre das letzte Mittel gegen den weiteren Aufstieg der auch wirtschaftlich inkompetent erscheinenden FPÖ. Dass Christian Kern trotz Widerständen auf der linken Seite aber notfalls auch mit ihr regieren würde, gilt vielen in der SPÖ als Machtgarantie. SPÖ-Übervater Bruno Kreisky hatte das schon 1970 vorgemacht – sogar mit einem SS-Sturmbannführer als FPÖ-Chef.

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