Politik : Detlev Karsten Rohwedder: Der Treuhänder

Jürgen Zurheide

Die Sicherheitsexperten haben ihn immer wieder gewarnt, doch seine Antwort veränderte sich nicht. "Nein", beschied Detlev Karsten Rohwedder alle Hinweise der Polizei, die ihn davon zu überzeugen suchten, dass er sich auch in seiner Wahlheimat Düsseldorf den strengen Regeln des Personenschutzes unterwerfen müsse. So kam es mehr als einmal vor, dass der Chef der Treuhand zu Fuß und ohne Begleitung den Rhein überquerte und selbst bei schlechtem Wetter nicht das Auto nahm, sondern seinen Mantel allenfalls etwas höher ins Gesicht zog. Vorzugsweise suchte er in der Innenstadt Buchläden auf, um sich mit Lesestoff zu versorgen. Wenn man mit ihm sprach, konnte er nicht nur über Bilanzkennzahlen reden, er knüpfte mühelos den Gesprächsfaden über solche Themen hinaus in die Belletristik.

Natürlich kannten seine Mörder die Arglosigkeit, mit der er sich in Düsseldorf bewegte. Obwohl sie bis heute nicht enttarnt sind, weiß man, dass die RAF-Terroristen seine Gewohnheiten unbeobachtet ausgekundschaftet haben. So haben sie die tödliche Attacke in den Kleingärten auf der anderen Straßenseite in aller Ruhe vorbereiten können; wobei sie freilich davon profitiert haben, dass Detlev Karsten Rohwedder nicht einmal nachts die Gardinen in seinem Arbeitszimmer in der ersten Etage seines Hauses zuzog. "Er saß dort wie auf einem Präsentierteller", erzählten Nachbarn, die sich schon frühzeitig Sorgen um Rohwedder gemacht haben, der in der Nacht zum 1. April des Jahres 1991 von drei Schüssen niedergestreckt wurde.

An den Wochenenden war er, wenn es eben möglich war, von der Spree an den Rhein geeilt, um sich im Kreise der Familie von dem "schwierigsten Job zu erholen, der in der deutschen Wirtschaft zu vergeben war", wie es eine Journalistin seinerzeit formulierte. Im Spätsommer des Jahres 1990 hatte er den Vorstandvorsitz der Treuhand übernommen und keinen Moment gezögert, als Helmut Kohl ihm dieses Amt antrug.

Der Jurist war 1969 von Karl Schiller als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium berufen worden und trat in die SPD ein. Wegen seiner überragenden Sachkenntnis blieb er auch bei Ministerwechseln im Amt: er diente Helmut Schmidt, Hans Friedrichs und Otto Graf Lambsdorff. Ende 1978 schied er aus dem Staatsdienst aus und verzichtete auf alle Versorgungsbezüge. In den folgenden Jahren sanierte er den Stahlkonzern Hoesch. Nicht zuletzt mit dieser Empfehlung trat er an die Spitze der Treuhandanstalt.

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