DEUTSCH-DEUTSCHES AUF KUBA : DEUTSCH-DEUTSCHES AUF KUBA

Es war Anfang der 90er Jahre, als sich die deutsch-deutsche Reisegruppe in Schönefeld kennenlernte. Meine erste Kubareise: Die „Sonderperiode in Friedenszeiten“ hatte begonnen, so nannte die Regierung die Wirtschaftskrise nach dem Wegfall der Hilfe aus der Sowjetunion. Zum Glück gehörte Catherine, eine in Berlin lebende Französin, zu unserem Trupp. Sie musste vermitteln zwischen Ost und West. Wenn etwa der ehemalige Offizier der DDR-Volksarmee die Kubaner agitierte, sie sollten sich auf keinen Fall den Kapitalisten ergeben, so wie es seine Landsleute leider getan hätten. Oder wenn die Wessis in der Gruppe die zerfallende Altstadt von Havanna, obwohl doch Weltkulturerbe, mehr grau als schön fanden. Staunend lauschte der kubanische Reiseleiter den Diskussionen, und allein das sprach unbedingt für diese Tour. Die Auseinandersetzung mit einem System, das praktisch fast überall gescheitert ist – ausgerechnet in der Karibik bleibt sie möglich. Politische Bildung für alle, selbst am Sandstrand von Varadero. Da soll jeder gern hin. Stundenlange Reden von Fidel Castro muss sich kein Tourist anhören. Umgekehrt darf die Wirtschaftsblockade getrost den US-Amerikanern überlassen bleiben. Beim Tankstopp im kanadischen Gander durfte vor 20 Jahren übrigens keiner aussteigen: Eine Woche zuvor hatte eine Crew von Air Cubana dort politisches Asyl gesucht. Matthias Meisner

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben