• Deutsch-französisches Ministertreffen: Rappende Minister und Diskussionen mit Jugendlichen

Deutsch-französisches Ministertreffen : Rappende Minister und Diskussionen mit Jugendlichen

Es war ein Tag voller ungewöhnlicher Tätigkeiten für die Minister aus Frankreich und Deutschland, sowie die beiden Staatschefs. Während Steinmeier und sein Kollege Kouchner einen Rap sangen, sprachen Merkel und Sarkozy mit jugendlichen Migranten.

Patricia Driese,Ulrich Scharlack
Steinmeier Kouchner
Gemeinsam rappen: Außenminister Steinmeier (l.) mit seinem Amtskollegen Kouchner (m.) und dem türkischstämmigen Sänger Muhabbet...Foto: ddp

BerlinDie beiden Außenminister bemühten sich redlich, den richtigen Ton zu treffen. Für beide ging es aber ausnahmsweise einmal nicht um die große Weltpolitik. In einem Kreuzberger Tonstudio versuchten Frank-Walter Steinmeier und Bernard Kouchner mit dem deutsch-türkischen Musiker Muhabbet in einer passenden Stimmlage zu singen - und noch dazu bei einem Song in einer seltsamen Mischung aus Soul und orientalischen Klängen.

Der Auftritt von Steinmeier und Kouchner war Teil eines deutsch-französischen Ministertreffens in Berlin wie es noch nie da war. Statt ewig langen Sitzungen am ovalen Tisch waren diesmal einige Mitglieder der Kabinette von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin ausgeschwärmt, um neue Akzente in den deutsch-französischen Beziehungen zu setzen.

Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) besuchte gemeinsam mit seiner französischen Kollegin Christine Boutin "Stadtteilmütter" in Neukölln. Justizminister Brigitte Zypries (SPD) besichtigte zusammen mit ihrem Pariser Pendant Rachida Dati ein Zentrum für vernachlässigte und psychisch auffällige Kinder. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und sein französischer Kollege Michel Barnier verteilten in einer Weddinger Schule Äpfel und Birnen. Das beste Los hatten aber sicher Steinmeier und Kouchner gezogen, auch wenn sich ihr Beitrag auf jeweils das Singen der Worte "Deutschland" und "Frankreich" im Background beschränkte.

Integration als wichtiges gemeinsames Thema

Die ganzen Aktionen standen unter einer Überschrift: Integration. Das Thema beschäftigt Deutschland wie Frankreich, aber wahrscheinlich noch mehr die "Grande Nation", in der es 2005 zu heftigen Ausschreitungen von jugendlichen Migranten besonders in den Vororten von Paris gekommen war. Und darum drehte sich auch der Text, in den Steinmeier und Kouchner - wenn auch beschränkt - einstimmten: "Deutschland, warum verschließt Du dich, Deutschland, leg deine Karten auf den Tisch, Frankreich, warum verschließt du dich, Frankreich leg deine Karten auf den Tisch."

Und über dieses Thema sprachen zur gleichen Zeit auch die Chefs. Merkel und Sarkozy hatte es in den Norden der Stadt gezogen, wo sie mit Schülern mit Migrationshintergrund - wie es im Amtsdeutsch so schön heißt - diskutierten.

Wer muss den ersten Schritt zur Integration machen?

In der Romain-Rolland-Oberschule gingen dabei aber durchaus die Meinungen auseinander, wer denn nun zuerst zur Integration beitragen müsse: Die Zuwanderer oder die Deutschen beziehungsweise die Franzosen. Die Schüler waren durchaus der Auffassung, dass es auf "die Aufnahmekultur" des Landes, wie ein Mädchen meinte, ankomme und nicht darauf, wie sich die Ausländer verhielten.

Das sah Merkel ein wenig und Sarkozy sogar ganz anders. Merkel argumentierte noch vorsichtig, sprach davon, dass natürlich Deutschland ohne seine Einwanderer "nicht das wäre, was es heute ist". Aber ebenso gelte es, "Parallelgesellschaften" zu verhindern. Und dann wurde auch die Kanzlerin durchaus deutlich. Was das Lernen der Sprache angeht, sah sie vor allem die Eltern der Kinder in der Pflicht. Sie sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder auch mal ein deutsches Buch lesen.

Sarkozy: "Ihr müsst kämpfen"

Sarkozy - in seiner bekannt emotionalen Art - formulierte da noch schärfer: "Ihr müsst kämpfen", meinte er zu den Schülern, obwohl die - perfekt deutsch sprechend - alles andere als nicht eingegliedert wirkten. "Man kann nicht auf den Knopf drücken und sagen: Gebt mir Arbeit, gebt mir Ausbildung!"

Am Ende verabschiedeten sich Merkel und Sarkozy ganz zufrieden von den Schülern und später im Kanzleramt verkündeten sie Einigkeit in allen politischen Fragen - wie auch im Atomkonflikt mit dem Iran. Vorbei scheinen die Irritationen aus den ersten Monaten von Sarkozy. Und auch Sänger Kouchner war mit sich im Reinen: "Für einen Minister habe ich gar nicht so schlecht gesungen." (mit dpa)

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