Deutsch-polnische Beziehungen : Ein Klima "so gut wie nie"

"Es war ein sehr guter Besuch." Der Antrittsbesuch von Kanzlerin Merkel war für den polnischen Ministerpräsidenten Marcinkiewicz trotz aller Kürze gelungen. Vertrauen war dabei das Stichwort auf beiden Seiten.

Warschau - Einen Handkuss wie in Paris gab es diesmal zwar nicht, doch Merkel stellte Polen dennoch in eine Reihe mit Frankreich. Während der Pressekonferenz lächelte sie dem polnischen Regierungschef mehrmals zu. «Das ist unser zweiter großer Nachbar», sagte die Kanzlerin. Die Beziehungen zu Polen will sie intensivieren und für die Zukunft ausrichten.

Dabei war Merkel bei ihrer Aufwartung in Warschau auf schwierigem Terrain. Der gute Wille, das freundschaftliche Verhältnis wiederzubeleben, ist nötig. Schließlich sollen die Irritationen um die Pläne für ein «Zentrum gegen Vertreibungen» in Berlin und die Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland ausgeräumt werden. Anti-deutsche Töne im polnischen Präsidentschaftswahlkampf, die Marcinkiewicz freilich nicht bemerkt haben will, hatten die Stimmung ebenfalls eingetrübt.

Für die Beziehungen zwischen Ländern ist oftmals auch das Klima zwischen den Staats- und Regierungschefs entscheidend. Und hier scheint die Chemie zu stimmen. Mit dem polnischen Ministerpräsidenten verbindet Merkel, dass er wie sie Physiker und seit kurzem im Amt ist. Die «Ost-Frau» aus Mecklenburg-Vorpommern kann auch ein bisschen Polnisch («Es gibt keine Eier»). Gute Voraussetzungen also, um das Klima zu entspannen. Marcinkiewicz sprach von einem Neubeginn: «Wir fangen von vorne an.» Und Merkel will die gemeinsamen Probleme auf den Tisch bringen. «Wir werden natürlich auch die Vergangenheit nicht verdrängen.»

Das strittige «Zentrum gegen Vertreibungen», das der Bund der Vertriebenen in Berlin errichten will, war ebenfalls ein Thema. Dabei wollen beide Seiten auf der Grundlage der «Danziger Erklärung» des amtierenden polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski und Alt-Bundespräsident Johannes Rau im Sommer 2003 aufbauen, die die Aufarbeitung der Vergangenheit im europäischen Dialog anstrebt.

Schwieriger könnte es mit dem designierten Präsidenten Lech Kaczynski werden, der stolz ist darauf, keinen deutschen Politiker näher zu kennen. Allerdings sagte er zu, nach Deutschland zu kommen, wenn eine formale Einladung vorliege.

Der Merkel-Besuch war in Polen zumindest auf der polnischen Internetplattform Onet.pl das Thema Nummer eins. Anders als in der Politik überwogen die harten Töne: «Man muss diese Fritzen nicht mögen, aber reden wir mit ihnen, wenn auch mit harten Bandagen», schrieb einer. Ein anderer: «Ich schaue auf Merkel und sehe Steinbach.» Angesichts dieser virtuellen Polemik warnte ein weiterer jedoch vor Hass: «Das ist doch die Nachkriegsgeneration.» (Von Eva Krafczyk und Marc-Oliver von Riegen, dpa)

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