Politik : Deutsch-tschechische Bibliothek: Versöhnungsstätte eingeweiht

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Im nordböhmischen Liberec(Reichenberg) ist am Donnerstag eine deutsch-tschechische Bibliothek mit einem jüdischen Gebetshaus eröffnet worden. Der so genannte "Bau der Versöhnung" steht auf dem Gelände der in der Pogromnacht vom 9. November 1938 niedergebrannten Synagoge. Nach dem bei der Konferenz in München Ende September 1938 von Hitler erzwungenen Anschluss der deutschsprachigen Grenzgebiete der Tschechoslowakei an NS-Deutschland befand sich Reichenberg im neuen "Reichsgau Sudetenland".

Bei der feierlichen Eröffnung erinnerten zahlreiche Redner an die unheilvolle Geschichte der Stadt, die früher eines der wichtigsten Zentren der Deutschen Böhmens war. Von den etwa 1300 Juden, die dort einst lebten, überlebten nur 38 den Holocaust. Nach 1945 wurde die deutschsprachige Bevölkerung samt ihrer Kultur aus der Tschechoslowakei vertrieben.

In dem weiträumigen Bibliotheksneubau, der mit modernster Informationstechnik ausgerüstet ist, wird nach mehr als einem halben Jahrhundert nun auch die einstige "Bücherei der Deutschen", die es in Reichenberg zwischen 1924-1945 gab, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Nach der Wende wurde dieses Versöhnungswerk von der jüdische Gemeinde in Liberec und der dortigen Staatsbibliothek initiiert. Präsident Vaclav Havel und sein damaliger Amtskollege Roman Herzog übernahmen 1995 die Schirmherrschaft. Finanzielle Hilfen kamen aus der EU, Sachsen, dem Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds und aus der Schweiz. Den Löwenanteil der Baukosten von knapp 29 Millionen Mark übernahm der tschechische Staat.

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