Deutsch-türkische Spannungen : Premier Yildirim versucht deutsche Firmen zu beruhigen

Ankara hatte 700 deutsche Firmen der Terrorunterstützung bezichtigt. Inzwischen ist die Liste zurückgezogen worden, doch Entspannung beudeutet das nicht.

Der türkische Premier Binali Yildirim versucht, deutsche Firmen in seinem Land zu beruhigen.
Der türkische Premier Binali Yildirim versucht, deutsche Firmen in seinem Land zu beruhigen.Foto: dpa

Angesichts der Spannungen mit Deutschland hat sich der türkische Premier Binali Yildirim bei einem Treffen mit deutschen Unternehmern bemüht, Sorgen vor einer Verschlechterung der Beziehungen zu zerstreuen. „Es ist sehr wichtig für uns, dass Sie nicht von den jüngsten Entwicklungen geschädigt werden und nicht von diesen Spannungen betroffen sind“, sagte Yildirim am Donnerstag in Ankara der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

6000 deutsche Firmen im Land

„Lassen Sie es mich offen sagen: Wir sehen Sie nicht als deutsche Firmen. Wir sehen Sie als die Firmen dieses Landes“, sagte Yildirim. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei, 6000 deutsche Firmen sind im Land präsent.

Zuletzt hatten sich die Beziehungen weiter verschlechtert. Die Bundesregierung kündigte einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik an. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, die staatlichen Garantien für Exportkredite und Investitionen würden auf den Prüfstand gestellt. Er begründete dies mit der mangelnden Rechtssicherheit in der Türkei. Zudem signalisierte die Bundesregierung, dass sie auch die Gespräche über die Ausweitung der EU-Zollunion mit der Türkei sowie die Fortführung der EU-Beitrittsgespräche mit Ankara kritisch überprüfen wolle. Bisher hatte sie stets an den Verhandlungen festgehalten.

"Kommunikationsprobleme"

Anlass für die „Neuausrichtung“ der deutschen Türkei-Politik war die Inhaftierung des Deutschen Peter Steudtner, der Anfang Juli zusammen mit anderen Menschenrechtsaktivisten festgenommen worden war. Ihm wird die Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte ihn zudem in einer Rede, ein deutscher Spion zu sein. Ebenfalls zu den Spannungen trug eine Anfrage der Türkei zu 700 deutschen Firmen bei. Medienberichten zufolge wurden auch sie von türkischer Seite der Terrorunterstützung verdächtigt. Die Türkei zog die Anfrage inzwischen zurück und sprach von einem „Kommunikationsproblem“. AFP

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