• Deutsch-türkisches Verhältnis: Deutsche Politiker werben für Entspannung im Streit mit Ankara

Deutsch-türkisches Verhältnis : Deutsche Politiker werben für Entspannung im Streit mit Ankara

Vertreter von Regierung und Opposition wollen den Streit mit der türkischen Regierung nicht weiter eskalieren lassen. Doch es gibt auch Stimmen, die eine härtere Gangart fordern.

Hofft auf eine Beruhigung der Lage: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Hofft auf eine Beruhigung der Lage: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.Foto: Rainer Jensen/dpa

Nach den untersagten Wahlkampfauftritten türkischer Minister in den Niederlanden sprechen sich in Deutschland Regierungs- und Oppositionspolitiker gegen eine ähnlich rigorose Haltung aus. Bei aller Kritik am Verhalten der türkischen Regierung sprach sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine Beruhigung der Lage im Verhältnis beider Länder aus. „Wir können uns das nicht gefallen lassen“, sagte Schäuble in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Aber wir möchten nicht eskalieren. Da sind wir uns alle in der Bundesregierung einig. Wir möchten nur, dass die Türkei zur Vernunft zurückkehrt.“

Sein Kabinettskollege Bundesinnenminister Thomas de Maizière machte deutlich, dass ein türkischer Wahlkampf vor dem umstrittenen Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems nichts in Deutschland verloren habe. Es müsse jedoch klug abgewogen werden, „ob man jetzt Einreiseverbote verhängt“, sagte der CDU-Politiker in der ARD.

Özdemir fordert Einhalten demokratischer Regeln

Ähnlich äußerten sich Vertreter der Opposition. Man müsse bei aller Kritik an den Versuchen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, aus der Türkei eine Diktatur zu machen, nicht gleich ein Einreiseverbot aussprechen, sagte der Linke-Politiker Gregor Gysi am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Es reicht schon, wenn man den Wahlkampf unterbindet“, argumentierte der Vorsitzende der europäischen Linken.

Der Grünen-Chef Cem Özdemir forderte, Wahlkampfauftritte in der EU von der Einhaltung demokratischer Regeln in der Türkei abhängig zu machen. „Die EU sollte einfordern, dass Erdogan in der Türkei eine faire und demokratische Wahl zulässt, wenn er oder seine Leute hier reden wollen“, sagte Özdemir der Zeitung „Die Welt“.

FDP für Einreiseverbote

Eine härtere Gangart gegenüber der Türkei forderte dagegen der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Graff Lambsdorff. „Die Europäische Union sollte sich auf die einheitliche Linie verständigen, dass türkischen Ministern Wahlkampfauftritte in der EU nicht erlaubt werden“, sagte das FDP-Präsidiumsmitglied der „Welt". Lambsdorff lobte das Vorgehen der Niederlande, die wenige Tage vor der eigenen Parlamentswahl Reden zweier türkischer Minister am Wochenende verhindert hatten. „Die Holländer machen vor, wie es geht, die Bundesregierung dagegen eiert herum“, sagte Lambsdorff. „So kann die Türkei versuchen, den einen gegen den anderen auszuspielen.“

Diskussion um Stützpunkt Incirlik

Die Türkei und wahlberechtigte Türken im Ausland stimmen im April in einem Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei ab, das Erdogan eine noch größere Machtfülle bescheren würde.

Im Schatten der jüngsten Zuspitzung der Lage geraten auch die Bundeswehrsoldaten auf dem türkischen Nato-Luftwaffenstützpunkt Incirlik wieder in den Blickpunkt. Der außenpolitische Fraktionssprecher Jürgen Hardt (CDU) wies die Forderung des verteidigungspolitischen Sprechers der CSU-Landesgruppe, Florian Hahn, zurück, als Reaktion auf die Provokationen der türkischen Regierung die Verlegung der Bundeswehrsoldaten vorzubereiten. „Die deutschen Soldaten aus Incirlik abzuziehen, nur um gegenüber der Türkei ein Zeichen zu setzen, hielte ich für falsch“, sagte Hardt der „Passauer Neuen Presse“.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), sprach sich dafür aus, auch andere Standorte in den Blick zu nehmen. „Incirlik als Standort ist nicht alternativlos“, sagte Bartels dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Der Anti-IS-Kampf könnte auch von dem Stützpunkt im jordanischen Amman oder dem kretischen Akrotiri aus erfolgen.“

(dpa)

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