Politik : Deutsche Bahn: Mehdorn attackiert Kritiker

Nach heftiger öffentlicher Schelte wegen der geplanten Streichung von Fernverkehrszügen hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Kritiker seines Sanierungskurses scharf attackiert. Mehdorn erklärte am Samstag in Berlin, er werde es nicht zulassen, dass die Bahn weiter Spielball verschiedenster Interessen bleibe. Die jüngsten, vielfach unqualifizierten Kommentare aus unterschiedlichen Lagern seien erschreckend.

Mehdorn betonte: "Wer angesichts der prekären Lage der Bahn und den Herausforderungen, vor denen sie steht, allen Ernstes die Aufrechterhaltung eindeutig defizitärer Zugverbindungen verlangt, hat noch immer nicht begriffen oder akzeptiert, dass die Bahn keine Behörde mehr ist, bei der sich jeder bedienen kann, wenn er nur genug Lärm macht." Als Aktiengesellschaft werde sich die Bahn jetzt wie jedes verantwortungsbewusste Unternehmen "konsequent von defizitären Aktivitäten trennen". Die 79 Milliarden Mark, die die Bahn in den kommenden fünf Jahren in Schienennetz, Technik und Bahnhöfe sowie in die komplette Erneuerung des Wagenparks investiere, seien anders nicht zu rechtfertigen.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, Mehdorn gerate mit seinem Sanierungsprogramm in Schwierigkeiten. 75 Prozent der für dieses Jahr geplanten Einsparungen von über 1,1 Milliarden Mark seien noch nicht mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. Nach einem bahninternen Zwischenbericht hätten von den 25 zentralen Sanierungsprojekten zehn den so genannten Ampelstatus "gelb" oder "rot" und erforderten damit akuten Handlungsbedarf. "Potenzialerfüllung für 2001 ist stark gefährdet", heiße es in dem Bericht. Mehdorn erklärte lediglich, er sei davon "überzeugt, dass wir die Bahnreform im Plan erfolgreich abschließen werden". Das gelte, anders als im "Spiegel" dargestellt, auch für die Ziele im Jahr 2001.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig will den Monopolisten Deutsche Bahn (DB) stärker kontrollieren. Das Eisenbahn-Bundesamt werde zur Wettbewerbsbehörde aufgewertet, um Chancengleichheit zwischen DB und Privatbahnen zu wahren, meldete das Münchner Nachrichtenmagazin "Focus". Gesetzentwurf dazu solle am Mittwoch dem Kabinett vorgelegt werden.

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