Deutsche Bank : Das dunkle Erbe des Josef Ackermann

22.05.2012 16:15 Uhrvon

Zehn Jahre führte er das mächtigste Geldhaus der Republik – nun geht er. Unter Ackermann stieg die Deutsche Bank in die Weltliga auf. Doch ihr Ruf ist ruiniert, und viele Kunden klagen wegen Betrugs auf Milliarden von Dollar.

"Dumme Deutsche, die glauben noch an die Regeln"

Bei einem seiner Verkaufsgespräche, so berichtete später der US-Journalist Michael Lewis, fragte ein Hedgefondsmanager skeptisch, ob diese Deals nicht „ein Nullsummenspiel“ seien und wer denn als sicherer Verlierer auf der anderen Seite stehe. Nach Erzählung des Fondsmanagers war Lippmanns Antwort ebenso ehrlich wie zynisch: „Düsseldorf, dumme Deutsche, die glauben noch an die Regeln.“ Gemeint waren vermutlich die Einkäufer der in Düsseldorf ansässigen IKB oder der Westdeutschen Landesbank.

Binnen zwei Jahren kaufte Lippmann für die Deutsche Bank eine Absicherungsposition zusammen, die sich auf Papiere im Wert von insgesamt fünf Milliarden Dollar belief, mit deren Verfall er fest rechnete. Doch parallel dazu lief die „CDO-Maschine“ der Bank weiter auf vollen Touren. Obwohl schon ab Herbst 2006 viele Werte verfielen, sammelte die Bank noch immer Hypothekenpakete im Milliardenmaßstab, um sie neu verpackt als CDO weiterzuverkaufen. Eines davon, genannt „Gemstone VII“, Edelstein, und das siebte in einer Serie gleichen Namens nahmen die Senatsermittler genau unter die Lupe. Dabei fanden sie heraus, dass große Teile des Pakets aus Hypothekenanleihen zusammengesetzt waren, die Lippmann gegenüber Kunden und Kollegen als „Mist“ und „Schweinkram“ bezeichnet hatte. Das ging so weit, dass für den vermeintlichen „Edelstein“ auch Anleihen aus dem Eigenbestand der Bank verwendet wurden, für die Lippmann und einer seiner Mitarbeiter sagten, sie würden bereits „platzen“, und Wertverluste bis zu 40 Prozent seien zu erwarten. Auf diese Art, so konstatiert der Senatsbericht, „verschob die Deutsche Bank das finanzielle Risiko dieser Anlagen aus ihrem eigenen Bestand auf ihre Kunden“. Viele „Investoren hätten wahrscheinlich die Meinung des Tophändlers der Deutschen Bank als wichtig für ihre Entscheidung zum Kauf von Gemstone VII angesehen“, heißt es weiter. „Aber diese Informationen wurden ihnen nicht gegeben.“ Stattdessen sei „aggressiv“ vermarktet worden. Der Mailverkehr zeige, „dass sie Angst hatten, Risiken wie das von Gemstone auf ihren Büchern zu halten“, berichtet im Film des WDR der Senatsermittler David Katz, der die Fallstudie schrieb. Unter den Käufern waren auch die Fondsgesellschaften der IKB, für deren Rettung Deutschlands Steuerzahler später acht Milliarden Euro aufbringen mussten. Schon acht Monate nach Auflegung stuften die Ratingagenturen Gemstone VII schließlich auf „Junk“-Status zurück, es wurde „für die Investoren praktisch wertlos“, stellten die Ermittler fest.

Zwischen Dezember 2006 und Februar 2007 habe er auch dreimal mit seinem obersten Chef Anshu Jain aus London über diese Risiken gesprochen, sagte Lippmann dem Senatsausschuss. Doch seine New Yorker Kollegen, die ihre Einnahmen mit der Konstruktion und dem Verkauf der CDOs erzielten, fürchteten um ihre Jobs und Boni und hätten dagegengehalten. Und obwohl der Verfall der Hypothekenkonstrukte zu diesem Zeitpunkt schon begonnen und Lippmanns Gegenwetten darum erheblich im Wert gestiegen waren, ließ Jain das Geschäft weiterlaufen, darunter auch die Vermarktung von Gemstone VII – ein Umstand, der nun zum Einfallstor für die Kläger wird. „Die Deutsche Bank hatte alle kritischen Informationen über den Markt“, sagt etwa Gerald Silk, Anwalt bei der New Yorker Großkanzlei Litowitz, Berger & Grossmann, der unter anderem für den Pensionsfonds TIAA Klage wegen „Betrugs“ gegen die Deutsche Bank eingereicht hat. Doch sie habe diese Informationen „den Investoren vorenthalten“, während seine „Klienten darauf vertrauen mussten, dass die Bank ehrlich mit ihnen umgeht“. Und wer „nicht nach den Regeln spielt, der muss dafür zur Verantwortung gezogen werden“, fordert Silk. Noch weiter geht die Klage der Nachlassverwalter für die Pleitefonds der IKB. Die Deutsche Bank habe sie „betrügerisch zur Investition von fast 440 Millionen Dollar in CDOs verleitet, die dazu bestimmt waren, zu scheitern“, heißt es in deren Klageschrift. Ähnlich argumentieren auch die meisten anderen Kläger.

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