Politik : Deutsche Bank empört über Hochhuth

Im neuen Drama Verständnis für möglichen Mordanschlag auf Vorstandschef Ackermann geäußert

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Berlin/Frankfurt (Main) (dr/toh/uwe). Die Deutsche Bank prüft „alle rechtlichen Schritte“, um gegen ein neues Stück des Dramatikers Rolf Hochhuth vorzugehen. In dem Drama „Mc Kinsey kommt“ wird Verständnis für einen möglichen Mordanschlag auf den DeutscheBank-Chef Josef Ackermann geäußert, weil er skrupellos Arbeitsplätze abbaue und selbst ein Spitzengehalt kassiere. In einer Passage des Stücks, das dem Tagesspiegel vorliegt, wird Ackermann dasselbe Schicksal in Aussicht gestellt, das der ehemalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, der frühere Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen und der damalige Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto erlitten haben. Die drei Manager wurden von der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion ermordet.

Dies sei ein „Skandal“, sagte Deutsche-Bank-Sprecher Sprecher Detlev Rahmsdorf dem Tagesspiegel. Die Textpassage von Hochhuth sei „unverantwortlich“, die Behauptungen seien falsch. Das Drama wird im Februar im Theater in Brandenburg uraufgeführt und soll beim Verlag dtv veröffentlicht werden. Darin geht es um Arbeitslosigkeit, um Manager und um Unternehmensberater, die den Vorstandschef bei ihrem Handwerk behilflich seien. Im Epilog des ersten Aktes stehen die Zeilen, die die Deutsche Bank empören. Überschrieben sind sie mit „Warnung“. Hochhuth bringt das Gehalt des Deutsche-Bank-Chefs von fast sieben Millionen Euro in einen Kontext mit dem Personalabbau des größten deutschen Geldhauses. Die Kosten dafür halse er dem Staat auf. Dann heißt es mit Bezug auf den Philosophen Jacob Burckhardt: „Burckhardt nennt Mord Hilfsmittel, da man Richter wird. Bei Abwesenheit aller legalen Rechtsmittel.“

Ackermann habe den Mannesmann-Verkauf an das britische Unternehmen Vodafone gebilligt und die Abfindungen genehmigt, „nie an Skrupel gelitten, je mordlustiger er handhabt sein Entlasser-Skalpell“. Die Passage endet mit dem Satz: „,Tritt’ A. nur ,zurück’ wie Gessler durch – Tell?/Schleyer, Ponto, Herrhausen warnen.“ Gessler ist in Schillers Drama Wilhelm Tell der Besatzer, der dem gerechten Mord zum Opfer fällt.

Die Deutsche Bank sieht in der Veröffentlichung des Textes im Umfeld des Prozessbeginns gegen Josef Ackermann ein Indiz für ein Kesseltreiben gegen den Chef des Hauses. Ackermann steht von heute an als Anklagter vor dem Landgericht Düsseldorf. Gemeinsam mit anderen ehemaligen Managern und Aufsichtsräten wird ihm Untreue vorgeworfen. Er soll bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone Millionenabfindungen zu Gunsten des ehemaligen Mannesmann-Managements zugestimmt haben. Damit hat er laut Anklage dem Unternehmen Schaden zugefügt. Mitangeklagt sind unter anderem der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser und der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel.

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