Deutsche Bank : Das dunkle Erbe des Josef Ackermann

22.05.2012 16:15 Uhrvon

Zehn Jahre führte er das mächtigste Geldhaus der Republik – nun geht er. Unter Ackermann stieg die Deutsche Bank in die Weltliga auf. Doch ihr Ruf ist ruiniert, und viele Kunden klagen wegen Betrugs auf Milliarden von Dollar.

Wie tief die Bank in den Markt für komplexe Wertpapiere verstrickt ist

Das größte Risiko erwächst aus der tiefen Verstrickung des Frankfurter Bankriesen in den Billionen-Markt für komplexe Wertpapiere auf Basis US-amerikanischer Hypotheken, deren falsche Bewertung und windige Konstruktion eine der wesentlichen Ursachen für die Finanzkrise war. Das Geschäft beruhte auf einer regelrechten Massenvergabe von Immobilienkrediten, die alsdann von den großen Investmentbanken in riesigen Einheiten (Trusts) zusammengefasst wurden. Diese wurden als Wertpapiere verbrieft und in alle Welt weiterverkauft, womit die Käufer Anteile an den Hypothekenpools erwarben. Viele dieser Papiere wurden sogar zu noch größeren Einheiten zusammengefasst und als „Collateralized Debt Obligations“ (CDO), besicherte Schuldverschreibungen, in großen Tranchen von bis zu dreistelligen Millionenbeträgen an Investoren verkauft (siehe Grafik). Allein in den Jahren 2006 und 2007 brachten die Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank, CDOs für mehr als 1000 Milliarden Dollar auf den Markt.

Illu: Bartel

Am Beginn dieser Kette standen zahlreiche Hypothekenbanken und -makler. Weil sie die ausgereichten Kredite an Investmentbanken wie die Deutsche weiterreichen konnten, während sie selbst die Gebühren kassierten, vergaben sie die Hypotheken mit den Jahren zusehends wahllos auch an solche Hausbesitzer, deren Einkommen für Zins und Tilgung eigentlich gar nicht reichte. Weil aber mit den Billigkrediten die Nachfrage wuchs, stiegen die Häuser im Wert, sodass es scheinbar nicht an Sicherheiten für den möglichen Ausfall der Schuldner mangelte. In der so genährten Preisblase verloren alle Beteiligten schließlich jedes Maß. Die Hypothekenvermarkter mogelten bei den Angaben über die Bonität ihrer Kreditnehmer. Die Banken wiederum prüften die Angaben der Vermittler über die Qualität der Schuldner nicht, bevor sie die Kredite zu Tausenden in riesigen Paketen zusammenführten. Die für diese Trusts benannten Treuhänder (Trustees), denen die Sammlung der einzelnen Zahlungen und die Überweisung an die Investoren obliegt, prüften ihrerseits die Dokumente für die übertragenen Hypotheken häufig nicht. Und die Käufer der doppelt und dreifach weiter verbrieften Hypotheken glaubten blind den Versicherungen der Banken und der von ihnen bezahlten Ratingagenturen, dass mit den zu Grunde liegenden Krediten schon alles in Ordnung sei.

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