Deutsche Einheit : Müntefering diskutiert neue Verfassung für Ost und West

Franz Müntefering bringt eine gesamtdeutsche Verfassung ins Gespräch. 20 Jahre nach dem Mauerfall könnte eine neue Verfassung helfen, die deutsche Einheit aufzuarbeiten.

BerlinDer SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat vorgeschlagen, eine gesamtdeutsche Verfassung zu schaffen. Das Verhältnis zwischen Ost und West “leidet darunter, dass wir 1989/90 nicht wirklich die Wiedervereinigung organisiert haben, sondern die DDR der Bundesrepublik zugeschlagen haben“.

Bei manchen Ostdeutschen gebe es weiterhin Skepsis, da nach der deutschen Einheit ursprünglich eine gemeinsam erarbeitete Verfassung geplant war. Man hätte den Ostdeutschen das Grundgesetz “einfach übergestülpt, anstatt eine gemeinsame Verfassung zu schaffen. Das muss man aufarbeiten“, so der SPD-Vorsitzende in der "Bild am Sonntag“.

Müntefering sprach sich für eine differenzierte Beurteilung der DDR aus. Die DDR sei zwar ein Unrechtsstaat gewesen, aber “die allermeisten Menschen, die in der DDR gelebt haben, hatten keinen Dreck am Stecken. Sie haben versucht, so menschlich zu leben, wie es eben ging.“. Die Westdeutschen hätten nach dem Krieg mehr Glück gehabt, weil ihnen die Alliierten zu Wohlstand und Demokratie verhalfen.

Nach dem Fall der Mauer entbrannten 1990 heftige Diskussionen darüber, ob die Bundesrepublik Deutschland und die DDR als gleichberechtigte Partner sich vereinigen sollten, oder, wie geschehen, die kleinere DDR dem größeren westdeutschen Staat beitreten sollte. Die Mehrheit der Deutschen in Ost und West hatte sich 1990 in Umfragen für die unkomplizierte Lösung des Beitritts ausgesprochen. Letztlich waren sich auch die Parteien einig, am Grundgesetz festzuhalten und nur einige Änderungen einzufügen. (sh/dpa)

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