Politik : Deutsche hoffen auf Erdgas aus Nigeria

Berlin - Zehn Tage, nachdem in Georgien die ersten Bomben gefallen sind, haben Deutschland und Nigeria eine Energiepartnerschaft vereinbart. Seit dem Nigeria-Besuch von Außenminister Frank- Walter Steinmeier vor einem Jahr verhandelten das Auswärtige Amt und die Regierung in Abudja über eine Zusammenarbeit. Aus deutscher Sicht geht es darum, Zugang zu Erdöl- und Erdgasreserven zu sichern, die nicht in Russland liegen. Aus nigerianischer Sicht geht es um den Ausbau der Stromversorgung. Am 19. August haben beide Seiten in Abudja im Beisein des Präsidenten Umaru Yar’Adua einen Rahmenvertrag vereinbart. Auf dieser Basis sollen nun deutsche Unternehmen in Nigeria tätig werden.

Nigeria leidet unter einer massiven Energiekrise. Von den 6000 Megawatt vorhandener Stromleistung sind lediglich etwa die Hälfte in Betrieb. Deutsche Firmen könnten in den kommenden zehn bis 15 Jahren Kraftwerke mit einer Leistung von rund 6500 Megawatt aufbauen – von Gaskraftwerken, Wasserkraftwerken, Windparks bis hin zu Braunkohlekraftwerken. Eon-Ruhrgas will ins Gasgeschäft einsteigen und sich an einer Gasverflüssigungsanlage und einem Hafen zum Transport von Flüssiggas beteiligen. Evonik und der Baukonzern Bilfinger-Berger, der seit 40 Jahren in Nigeria arbeitet, wollen im Kraftwerksgeschäft tätig werden. Zudem sollen sogenannte CDM-Projekte identifiziert werden, mit denen deutsche Firmen ihre Klimaverpflichtungen im Emissionshandel erfüllen können. Für solche Investitionen können sie sich Kohlendioxid-Zertifikate gutschreiben lassen.

Präsident Yar’Adua hatte die Stromkrise seines Landes beim G-8-Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Jahr zum Thema gemacht und war bei der Kanzlerin auf offene Ohren gestoßen. Bisher sind in Nigeria eine Reihe internationaler Ölkonzerne sowie chinesische Staatskonzerne ins Öl- und Gasgeschäft eingebunden. Deutsche Energiekonzerne haben bisher keine Rolle gespielt.

Nigeria will offenbar noch weitere Energiepartnerschaften schließen. Am Freitag wurde bekannt, dass die Regierung in Abudja auch eine Nuklearkooperation mit dem Iran eingehen will. Details wurden nicht bekannt. deh

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