Deutsche Internetkonzerne fürchten NSA-Affäre : Misstrauen kann teuer werden

Auch deutsche IT-Unternehmen bangen wegen der NSA-Affäre um ihr Geschäftsmodell. Was können sie tun, damit die Kunden nicht weglaufen? Und welche Unterstützung erwarten sie von der Bundesregierung?

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Die Deutsche Telekom legt nach. Nur einen Tag nachdem ihr scheidender Chef René Obermann die Bundesregierung zu entschlossenerem Handeln im NSA-Skandal aufgefordert hatte, kündigte der Konzern seinerseits einen besseren Schutz an. Das Unternehmen will die 38 Millionen Handykunden in Deutschland mit einer neuen Sicherheitstechnologie besser vor neugierigen Mithörern schützen. Bis Ende des Jahres werde im gesamten GSM-Netz, über das die allermeisten Mobilfunkgespräche laufen, der Verschlüsselungsstandard A5/3 eingeführt, teilten die Bonner am Montag mit. Der bisherige Standard wurde schon mehrfach geknackt. Der neue Algorithmus gilt bisher als sicher.

Sicher oder nicht – in erster Linie geht es der Telekom wohl darum, dem Vertrauensverlust vorzubeugen oder verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Inzwischen, schätzen Branchenexperten, dürfte der Vertrauensverlust durch die NSA-Affäre einige IT-Unternehmen schmerzhaft treffen – will heißen: finanziell. Beim Branchenverband Bitkom will man das nicht bestätigen. Doch nach einer aktuellen Umfrage des Verbands steigt der Anteil der Internetnutzer, die ihre persönlichen Daten generell für unsicher halten, von 66 Prozent im Juli auf nun 80 Prozent. Und auch Firmenkunden machen sich Gedanken um ihre Daten. „Fragen nach der Sicherheit der eigenen Daten, nach Schutzmechanismen gegen Angriffe und Ähnliches rücken in den Fokus“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom. Und bei der Entscheidung für einen neuen IT-Dienstleister spiele es für viele Unternehmen erstmals auch eine Rolle, über welche Länder die Daten geleitet würden.

Angesichts der Debatten um Geheimdienste, Industriespionage und Datensicherheit fordert die IT-Wirtschaft mehr Einsatz von der künftigen Bundesregierung. Die Regierung müsse sich schnellstmöglich um eine einheitliche Regelung des Datenschutzes in Europa und ein internationales Abkommen bemühen, sagt Rohleder. Zudem müsse Wirtschaftsspionage zum Straftatbestand erklärt und entsprechend verfolgt werden. Die Industrie begrüßt ausdrücklich die Absicht der künftigen Koalitonäre, sich für ein No-Spy-Abkommen einzusetzen. Gleichzeitig warnt der Spitzenverband BDI jedoch vor zu großem Aktionismus. „Augenblicklich wird in der Debatte um Datenschutz und -sicherheit, NSA und Vorratsdatenspeicherung vieles vermengt, was so nicht zusammengehört“, sagt Matthias Wachter, Leiter der Abteilung Sicherheit und Rohstoffe beim BDI. „Wir sehen die Gefahr, dass die Bundesregierung unter dem Druck, zu handeln, mehr Regulierung schafft, als nötig ist.“ Simon Frost

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