Politik : Deutsche Marine soll Syrern helfen De Maizière: Humanitäre Hilfe möglich

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Schon Anfang Juni hatte die stets gut informierte „Nesawissimaja Gaseta“ unter Berufung auf eine zuverlässige Quelle im Verteidigungsministerium berichtet, russische Elite-Einheiten würden für einen möglichen Krieg in Syrien vorbereitet. Das Blatt nannte sogar konkrete Namen und Nummern von Einheiten der Luftlandetruppen, der militärischen Abwehr GRU und der Marineinfanterie. Die mobilen Verbände des Heeres und Sondereinheiten aus Tschetschenien absolvieren demzufolge bereits ein entsprechendes Ausbildungsprogramm. Eine tragende Rolle soll dabei eine Luftlandedivision spielen, die nur aus Vertragssoldaten besteht. Ein Voraustrupp für den Ernstfall soll bereits unterwegs sein. Gestern meldete die Moskauer Nachrichtenagentur Ria nowosti unter Berufung auf den russischen Generalstab, Moskau habe zum Schutz seiner Marinebasis und russischer Bürger in der syrischen Hafenstadt Tartus zwei schwere Kriegsschiffe vom Schwarzen ins Mittelmeer verlegt. An Bord der „Nikolai Filtschenko“ und der „Cesar Kunikow“ seien auch Marineinfanteristen. Allein die „Kunikow“ könne bis zu 150 Infanteristen und zehn Panzer des Typs T-55 an Bord haben. Tartus ist der einzige Marine-Stützpunkt, den Russland noch außerhalb der ehemaligen UdSSR-Grenzen unterhält, Moskau pachtet ihn zu erheblich günstigeren Bedingungen als den Kriegshafen Sewastopol auf der ukrainischen Krim. Wichtigstes Zahlungsmittel, so General a.D. Leonid Iwaschow, gegenüber Ria nowosti schon im letzten August, sei Russlands Bereitschaft, im Ernstfall mit syrischen Einheiten zu kooperieren. Dafür sind 150 Marines aber entschieden zu wenig. Mit der Verlegung will Moskau daher vielmehr Flagge im Krisengebiet zeigen und den Westen vor einem militärischen Eingreifen in den Konflikt zwischen Syriens Herrscher Baschar al Assad und den Rebellen warnen. Am Rande des G-20-Gipfels in Mexiko demonstrierte Präsident Wladimir Putin gleichwohl Einigkeit mit US-Präsident Barack Obama. In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie „eine sofortige Einstellung aller Gewalt“ in Syrien.

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière erklärte unterdessen, er könne sich bei einer Ausweitung des Syrien-Konflikts humanitäre Hilfe der deutschen Marine in der Nahostregion vorstellen. Die an der Unifil-Mission vor der libanesischen Küste beteiligten Schiffe seien „sicher auch eine Art Notreserve für humanitäre Katastrophen, die in der Region stattfinden könnten“, sagte der Minister am Montag bei einem Besuch deutscher Unifil-Soldaten im zyprischen Hafen Limassol. Der Minister zeigte sich besorgt über die Lage in Syrien, die auch das Nachbarland Libanon destabilisiere. „Libanon liegt geografisch und politisch im Schatten von Syrien“, sagte er. In Syrien selbst haben nach Angaben von Aktivisten Regierungstruppen am Montag die umkämpfte Stadt Homs erneut unter Beschuss genommen. Augenzeugen berichteten von Bombardements und Geschützfeuer. mit dpa

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