Deutsche Minister in Afrika : Jenseits deutscher Luxusprobleme

Gesundheitsminister Gröhe und Entwicklungsminister Müller waren gemeinsam in Afrika. Denn nach Ebola ist vor dem G-7-Gipfel.

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Hermann Gröhe (l.) und Gerd Müller im Gespräch mit einer Papaya-Verkäuferin vor der Uni-Klinik in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Im Hintergrund: Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner.
Hermann Gröhe (l.) und Gerd Müller im Gespräch mit einer Papaya-Verkäuferin vor der Uni-Klinik in der ghanaischen Hauptstadt...Foto: dpa

Ein deutscher Gesundheitsminister besucht Afrika. Das ist schon etwas Besonderes. Schließlich hat Hermann Gröhe (CDU) genug eigene Baustellen im deutschen Gesundheitssystem. Doch die Ebola-Krise in Westafrika ist auch Europa bedrohlich nahe gekommen – mit einzelnen Infektionen in Spanien und Großbritannien. Und deshalb interessiert sich der deutsche Gesundheitsminister nun für Afrika. Außerdem steht das Thema Gesundheit auch beim G-7-Gipfels Anfang Juni auf Schloss Elmau auf der Tagesordnung. So will es Gastgeberin Angela Merkel (CDU). Die führenden Industrienationen werden beraten, wie sie die Gesundheitssysteme armer Staaten stärken und bei Seuchenausbrüchen ihre Hilfe besser koordinieren können.

Internationale Gemeinschaft hat versagt

Auf die noch immer nicht ganz besiegte Ebola-Epidemie in Afrika hat die internationale Gemeinschaft viel zu spät reagiert – erst als die Gefahr einer globalen Ausbreitung drohte, als also auch in den Industrienationen die Angst vor Ebola real wurde. Damit sich dies nicht wiederholt, soll unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reformiert werden. Auch dabei wird Deutschland, wird der deutsche Gesundheitsminister mitreden. Es macht also Sinn, dass er sich fern der Luxusprobleme des deutsches Gesundheitssystems, wie dem Kampf gegen Impfverweigerer, einmal ansieht, unter welchen Bedingungen Ärzte und Pfleger in Afrika arbeiten. In den Ebola-Ländern Liberia, Sierra-Leone und Guinea sind beispielsweise allein 800 Krankenhausmitarbeiter an Ebola gestorben.

200 Millionen für Gesundheitssysteme

„Ärzte ohne Grenzen“ meldete gerade, die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme der Ebola-Staaten seien völlig zusammengebrochen, weshalb nun viel mehr Menschen an Malaria oder Masern (!) sterben als vor dem Ebola-Ausbruch. Gröhes Reisebegleiter, Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), hat ein deutsches Soforthilfeprogramm in Höhe von 200 Millionen Euro für eine bessere Gesundheitsversorgung in Afrika angekündigt. Auch das macht sich vor dem G-7-Gipfel nicht schlecht. Andererseits sind 200 Millionen für einen ganzen Kontinent nicht wirklich viel. Und schon so manche Initiative, die internationalen Politikertreffen zu positiven Schlagzeilen verhalf, wurde später nur halbherzig umgesetzt.

Brauchen wir Weißhelme?

Müller will auch eine sogenannte Weißhelmtruppe aus Ärzten, Technikern und anderen Spezialisten aufbauen, die „in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann“, wie er sagt. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) werde dazu eine Kernmannschaft aufstellen. Die GIZ fremdelt allerdings offenbar noch mit dieser Aufgabe. Auf Nachfrage zu den Vorbereitungen verwies man dort auf Müllers Ministerium als zuständige Stelle. Wer sich die Landschaft der Hilfsorganisationen ansieht, kann zudem den Eindruck gewinnen, dass es längst genug Einsatzkräfte für Gesundheitskrisen wie Ebola gibt. Das Technische Hilfswerk (THW) etwa ist seit Langem innerhalb kürzester Zeit mit seinen Spezialisten weltweit nach Katastrophen vor Ort, und das Deutsche Rote Kreuz verfügt nach eigenen Angaben über einen Pool von rund 400 ausgebildeten Freiwilligen, die innerhalb kurzer Zeit aktiviert werden könnten. Ob man da das Rad neu erfinden muss?

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