Deutsche Rüstungsindustrie : Globaler Exportanteil liegt bei sieben Prozent

Weil Vizekanzler Sigmar Gabriel Deutschlands Rüstungsexporte einschränken will, geht in der hiesigen Waffenindustrie die Angst um Arbeitsplätze um. Gut 40 Unternehmen gehören dem Branchenverband BDSV an. Dessen Hauptgeschäftsführer ist Georg Wilhelm Adamowitsch, der ehemalige SPD-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Wolfgang Clement.

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Deutsches Rüstungsgut. Gewehre vom Typ Heckler & Koch G36.
Deutsches Rüstungsgut. Gewehre vom Typ Heckler & Koch G36.Foto: dpa

Spätestens mit der Ankündigung des Vizekanzlers Sigmar Gabriel (SPD), die Rüstungsexportpolitik Deutschlands kritisch zu beleuchten, ging in der Branche und bei Gabriels Koalitionspartnern eine Diskussion über die Wirtschaftskraft der Sicherheits- und Waffenindustrie los. Die Sorge: Je restriktiver die Regierung ihre Ausfuhrbestimmungen handhabt, umso gefährdeter die Unternehmen. Und damit die Arbeitsplätze.

Betrachtet man den Markt für Rüstungsgüter global, so stellt man fest, dass zwischen 2008 und 2012 gerade einmal sieben Prozent aller konventionellen Waffenexporte weltweit auf deutsche Rüstungsgüter entfielen. Deutschland liegt damit im Ranking der größten Waffenexporteure der Welt auf Rang drei. Die USA machen 30 Prozent des weltweiten Waffenverkaufs aus, Russland kommt auf 27 Prozent. Die vergleichsweise geringe Dimension des deutschen Rüstungsgeschäfts wird deutlich, wenn man die Wirtschaftskraft des größten Rüstungsunternehmens der Welt mit der versammelten deutschen Branche vergleicht: Mit einem Umsatz von fast 45 Milliarden Dollar im Jahr 2012 gilt Defense News Lockheed Martin als Marktführer. Die Rüstungsexporte aus ganz Deutschland lagen hingegen 2012 bei etwa 1,2 Milliarden Dollar.

Zehntausende arbeiten in Deutschland in der Branche

Wie groß die Branche in Deutschland ist, wie viele Mitarbeiter sie beschäftigt und vor allem welcher Anteil der Umsätze der Unternehmen wirklich Rüstungsgüter betrifft, darüber gibt es keine letzte statistische Klarheit. Bis vor fünf Jahren trat die Branche in Deutschland noch nicht einmal mit einem eigenen Industrieverband auf, sie war Teil des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Nun sind die Unternehmen Teil des Branchenverbandes BDSV, den der ehemalige SPD-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Wolfgang Clement, Georg Wilhelm Adamowitsch, als Hauptgeschäftsführer vertritt und dem etwas mehr als 40 Unternehmen angehören. Dazu zählen auch Misch-Unternehmen wie die Daimler AG. Adamowitsch hat die Beschäftigtenzahlen für den gesamten Bereich der Branche auf rund 98.000 (2011) geschätzt und darüber hinaus rund 220.000 weitere Arbeitsplätze in Unternehmen genannt, die Vorprodukte herstellen oder in so genannten nachgelagerten Wirtschaftszweigen angesiedelt sind.

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