Politik : Deutsche setzen auf Mittelsmann in Mali

Regierung meidet Kontakt zu algerischer Entführergruppe

Ralph Schulze

Bamako/Berlin . Die Verhandlungen mit den Entführern der 14 Saharageiseln, die im Norden Malis festgehalten werden, befinden sich in einer kritischen Phase. Nach Angaben aus Berlin und Bamako, der Hauptstadt des nordwestafrikanischen Wüstenstaates, tauchen in den Vermittlungsgesprächen schwierige Hürden auf. Demzufolge sind die Terroristen unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen. Sie fordern, so berichtete die ARD, direkte Gespräche mit der deutschen Regierung ohne einen malischen Vermittler – was Berlin angeblich ablehne. Dies wollten Diplomaten am Mittwoch jedoch nicht bestätigen.

Die Bundesregierung hatte in Absprache mit den anderen betroffenen Staaten einen angesehenen Nomadenführer des Tuaregvolkes mit den Kontakten beauftragt. Bei dem Vermittler, der gerade von einem geheimen Treffen mit den Terroristen aus dem Norden Malis nach Bamako zurückgekehrt sein soll, handelt es sich um Iyad Ag Agaly. Ihm wird großer Einfluss in jener Region zugeschrieben, in der sich die Geiseln befinden. Die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer sollen sich, auf mehrere Gruppen verteilt, irgendwo im Norden Malis aufhalten. Angebliche Lösegeldforderungen werden von den Regierungen abgelehnt. Sie sind lediglich bereit, mit den Entführern über Sicherheitsgarantien zu sprechen.

Unbestätigt blieb am Mittwoch die Meldung der algerischen Zeitung „Al Watan“, wonach den Geiselgangstern von westlicher Seite eine Art Ultimatum gesetzt wurde: Falls innerhalb weniger Tage nicht einige kranke und ältere Geiseln als Zeichen guten Willens freigelassen würden, „wird man die militärische Lösung wählen, um dieses Drama, das schon viel zu lange dauert, zu beenden“. Als direkter Chef der Geiselnehmer wurde von verschiedenen Quellen der berüchtigte algerische Terrorist Abderrezak de Para ausgemacht. Er gilt zusammen mit Mokhtar Benmokhtar als einer der Kommandeure der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC), die für die nun schon fünf Monate dauernde Entführung verantwortlich gemacht wird.

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