Politik : Deutsche Soldaten bedroht

Berlin hat Hinweise auf Anschlagspläne gegen Truppen in Kabul

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Berlin (uls). Die Bundeswehr gerät in Kabul offenbar immer stärker ins Visier von Extremisten. Nach Auskunft des Bundesverteidigungsministeriums sind in der vergangenen Woche Raketen über das Lager der deutschen Soldaten hinweggeflogen. „Und das war nicht das erste Mal“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel am Sonntag. Der Einsatz in Kabul sei der „weitaus gefährlichste“ für die Bundeswehr, so der Sprecher. „Das haben wir immer schon gesagt.“ Die Soldaten würden gezielt auf die Gefahren vorbereitet, außerdem tausche sich die Bundeswehr intensiv mit ihren Verbündeten über mögliche Bedrohungen aus.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ liegen der Bundesregierung konkrete Hinweise auf Anschlagspläne gegen die Internationale Schutztruppe für Afghanistan vor (Isaf). In einer vertraulichen Lageanalyse, die sich auf Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes stütze, werde unter anderem vor Selbstmordattentätern gewarnt, die als Obstverkäufer auf Militärbasen gelangen könnten. Mitglieder der Al Qaida schmuggelten derzeit Bauteile für Bomben von Pakistan nach Afghanistan. Vor drei Wochen, so berichtet „Focus“ weiter, sei bekannt geworden, dass islamistische Gruppen Isaf-Soldaten entführen wollen, um inhaftierte Al-Qaida-Kämpfer freizupressen.

Im deutschen Verteidigungsministerium wird der Bericht nicht dementiert. Es müsse sich um einen der wöchentlichen Lageberichte zur Situation in Kabul handeln, so der Sprecher. Er widersprach aber der Einschätzung, dass sich die Sicherheitslage der deutschen Soldaten grundsätzlich verschlechtert habe. „Es gab in Kabul von Anfang an Wellen gewalttätiger Zwischenfälle.“

Dennoch will die Isaf durch verstärkte Patrouillen und Kontrollen auf aktuelle Spannungen reagieren. Nach dem „Focus“-Bericht richtet sich das Augenmerk der Soldaten zunehmend auch auf Frauen, die unter ihrer Burka Waffen und Munition in die afghanische Hauptstadt schmuggeln. Eine Ausweitung des Isaf-Mandats auf Gebiete außerhalb der Hauptstadt, in denen sich neue extremistische Gruppierungen formieren, ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums aber „derzeit kein Thema“.

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