Politik : Deutsche sollen bei Geiselbefreiung in Mali helfen BKA und BND an Einsatz beteiligt

Hinweise von Nomaden?

Ralph Schulze

Madrid. Deutsche Anti-Terror-Einheiten und Diplomaten bemühen sich im Norden Malis um die Befreiung der 15 Sahara-Geiseln. Nach Informationen des Tagesspiegels sollen an dem Einsatz in Mali Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA), des Bundesnachrichtendienstes (BND), der Sondereinsatztruppe GSG 9 sowie Sicherheitsexperten aus der Schweiz und den Niederlanden beteiligt sein. Berlin und Bern gehen davon aus, dass die zehn Deutschen, vier Schweizer und der Niederländer, die vor gut fünf Monaten von islamistischen Terroristen in Südalgerien entführt wurden, nach Mali verschleppt wurden.

Deutschlands Sonderbeauftragter, Staatssekretär Jürgen Chrobog, hatte Mitte der Woche bei seinem Besuch in der malischen Hauptstadt Bamako die Erlaubnis für den Einsatz der Sicherheitsdienste erhalten. Ohne Einzelheiten zu nennen, hatte Chrobog nach seinem Gespräch mit Präsident Amadou Toumani Toure gesagt: „Wenn wir überhaupt eine Chance einer guten Zusammenarbeit haben, dann ist es in diesem Land.“ In Algerien, wo westliche Spezialagenten ebenfalls im Einsatz waren, war die Zusammenarbeit mit den algerischen Sicherheitskräften mitunter schwierig, die Aktionsmöglichkeiten blieben begrenzt.

Unklar ist allerdings, wo genau sich die Terroristen und ihre Opfer in Mali verstecken. Unbestätigten Berichten zufolge sollen in Nordmali persönliche Gegenstände der Geiseln gefunden worden sein. Westliche Emissäre sollen nun Kontakt zu den Nomaden in Nordmali aufnehmen und sie um Mithilfe bitten. Die Flucht der Terroristen, die der algerischen Islamistenbewegung GSPC angehören sollen, könnte nach Angaben algerischer Beobachter vorletzter Akt eines Deals sein, der freien Abzug der Entführer und eine schrittweise Freilassung der europäischen Urlauber vorsieht.

Saharaexperten halten es für wahrscheinlich, dass die Flucht von Südalgerien nach Mali auf dem Landweg stattfand. „Logistisch stellt der Transport kein Problem dar“, sagt der Schweizer Afrikaexperte Kurt Müller, der die Gegend gut kennt. Es gebe gute Pisten und viele Schmuggelrouten. „In zwei bis drei Tagen“ könnten Geländewagen die 1200 Kilometer zwischen dem letzten Aufenthaltsort nahe der algerischen Oasenstadt Illizi und Mali zurücklegen.

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