Politik : Deutsche Theatermacher fordern Freilassung der Häftlinge

Zahlreiche Theatermacher in Deutschland haben in einem öffentlichen Appell die Freilassung von Häftlingen der früheren terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) gefordert. Zu den Erstunterzeichnern der am Donnerstag der dpa übermittelten Erklärung gehören die Regisseure Frank Baumbauer, Frank Castorf, Harry Kupfer, Thomas Langhoff und Christoph Schlingensief.

Sie fordern die Freilassung von Eva Haule, Rolf Heißler, Birgit Hogefeld, Christian Klar, Andrea Klump, Brigitte Mohnhaupt und Rolf Clemens Wagner, von denen einige seit 15 und mehr Jahren in Haft sind. Für den zu fünf Mal lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilten Klar wurde eine Mindesthaftzeit von 28 Jahren angeordnet.

Die Berliner Volksbühne erinnert mit einer Gedenkveranstaltung am 9. November an den 25. Todestag von Holger Meins, der 1974 in der Haftanstalt Wittlich in Rheinland-Pfalz an den Folgen eines Hungerstreiks gegen seine Isolationshaft gestorben war. Sein damaliger Anwalt Otto Schily habe die Isolationshaft eine "legale Folter" genannt, erinnerten die insgesamt 46 Unterzeichner in ihrer Erklärung.

Die RAF sei spätestens nach ihrer Selbstauflösung kein Thema mehr. So komme es, dass die Häftlinge, die zum Teil seit über 20 Jahren im Gefängnis säßen, aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden seien. "Die ehemaligen Mitstreiter und Anwälte, die jetzt zu den politischen Entscheidungsträgern des Staates gehören, schweigen zu diesem Thema, vielleicht, weil sie nicht an ihre eigene Vergangenheit erinnert werden wollen." Das führe dazu, dass Entlastungsverfahren, die in Deutschland jedem langzeitinhaftierten Kriminellen zustünden und die auch lebenslänglich Verurteilten nach zwölf oder 15 Jahren die Freiheit wiedergeben, für die RAF-Häftlinge nicht angewandt würden. Dies sei durch kein Gesetz zu begründen und widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz. Zu den weiteren Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem der Intendant des Schauspielhauses Hannover, Ulrich Khuon, sowie Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr, Leander Haußmann vom Schauspielhaus Bochum, der Direktor des Berliner Grips-Theaters, Volker Ludwig, Christoph Schroth vom Staatstheater Cottbus sowie der neue Leiter der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, Thomas Ostermeier.

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