• Deutscher General: Soldaten in Kundus sollen USA entlasten Riechmann nennt Einsatz im Norden Afghanistans machbar

Politik : Deutscher General: Soldaten in Kundus sollen USA entlasten Riechmann nennt Einsatz im Norden Afghanistans machbar

Robert Birnbaum

Berlin. Mit der geplanten Ausweitung ihres Afghanistan-Einsatzes will die Bundeswehr nach den Worten des Chefs des Einsatzführungskommandos, General Friedrich Riechmann, die dort tätigen US-Truppen für den Einsatz in anderen Regionen des Landes freistellen. Die vorgesehene Entsendung von bis zu 450 Soldaten nach Kundus im Norden des Landes diene „unter anderem auch diesem Ziel“, sagte Riechmann am Donnerstag in Berlin. Die Amerikaner, die bisher ein etwa 50 Mann starkes so genanntes Provinz-Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus hatten, wollen sich jetzt stärker auf die unsicheren Grenzregionen zu Pakistan konzentrieren, die den Taliban als Rückzugsgebiete dienen.

Riechmann, der die deutschen Erkundungsteams in die afghanische Provinz geleitet hatte, bewertete den geplanten Einsatz in Kundus als „realisierbar und zweckmäßig“. Es sei mit einer relativ begrenzten Zahl von Soldaten möglich, in Zusammenarbeit mit den Afghanen die Region Kundus zu stabilisieren. Das Einsatzgebiet der im Normalfall etwa 250 Soldaten – darunter mehr als die Hälfte Unterstützungs- und Sanitätskräfte – umfasst vier Provinzen mit 3,2 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die der Größe von Hessen und Bayern zusammen entspricht.

Die Bundeswehr-Führung wies zugleich Kritik von Hilfsorganisationen an dem geplanten Einsatz zurück. „In Kundus sind wir auf Menschen gestoßen, die die Amerikaner schätzen und von uns Deutschen viel erwarten“, sagte Riechmann. Sybille Schnehage, die nach eigenen Angaben die bislang einzige in Kundus tätige Hilfsorganisation leitet, sagte, die Menschen in der Nordregion erhofften sich, dass der Einsatz die gleiche Stabilisierung zur Folge haben werde wie das Engagement der Isaf-Schutztruppe in Kabul. Dadurch werde auch die Arbeit von Hilfsgruppen „leichter werden“.

Mehrere große Hilfsorganisationen haben sich gegen den geplanten Militäreinsatz in Kundus mit der Begründung ausgesprochen, er bringe kaum einen Zugewinn an Sicherheit, sondern erhöhe im Gegenteil die Gefahr auch für die zivilen Helfer, weil Terroristen und Gegner der Zentralregierung ausländische Militärs als lohnendes Anschlagsziel betrachten könnten. Nach den Planungen sollen die Soldaten in Kundus als Vermittler, Ausbilder und Ansprechpartner arbeiten, nicht aber Hilfsprojekte konkret bewachen. Gedacht ist auch an eine regelmäßige Präsenz in den Provinzen.

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