Politik : Deutscher Pisa-Chef sieht Trendwende

Anja Kühne

Berlin - „Die Pisa-Studie ist der erste Hinweis darauf, dass es in Deutschland wieder aufwärts geht, gerade bei jungen Leuten.“ Das sagte Manfred Prenzel, der den deutschen Teil der internationalen Schulleistungsstudie geleitet hat, am Montag bei deren Veröffentlichung in Berlin. Das Ergebnis verweise auf „eine deutlich andere Situation“ als bei Pisa 2000, so der Geschäftsführende Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaft (IPN) an der Universität Kiel. In Mathematik, den Naturwissenschaften und beim Lesen liegen Deutschlands Schüler diesmal im Mittel von 29 OECD-Staaten. Bei Pisa 2000 lagen sie hier unter dem OECD-Durchschnitt. In Mathematik und den Naturwissenschaften steigerten sich die Leistungen deutscher Schüler signifikant. Finnlands Schüler, die bei Pisa 2000 Testsieger im Lesen waren, führen nun in allen drei Bereichen. Asiatische Länder bleiben aber in der Spitzengruppe.

Am meisten habe er sich über die deutschen Ergebnisse auf dem Feld „Problemlösen“ gefreut, sagte Prenzel. Auf diesem Gebiet, auf dem fächerübergreifend analytische Fähigkeiten abgerufen werden, lagen deutsche Jugendliche über dem Durchschnitt der 29 teilnehmenden OECD-Staaten.

Zu der Debatte um die Einführung der Gesamtschule in Deutschland sagte Prenzel, die Studie liefere dafür keine Argumente. Wer wolle, dass die Schüler bald von Reformen profitieren, müsse sich besonders auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität konzentrieren. So gelinge der Umgang mit „Risikoschülern“ den Niederlanden mit ihrem dreigliedrigen Schulsystem gut. Die USA dagegen mit ihrem integrierten Schulsystem schnitten unterdurchschnittlich ab. Allerdings müsse Deutschland sich fragen, welche Fehler es bei der Verteilung seiner Zehnjährigen auf die Schultypen mache und wie sich diese verhindern ließen.

Von Doris Ahnen, der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, erhielt Prenzel Unterstützung. Weil es keinen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen der Schulstruktur und den Schülerleistungen gebe, müssten die Kultusminister nicht wieder mit den alten „Grabenkämpfe“ beginnen.

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