• Deutscher Terrorverdächtiger in der Türkei gefasst Atilla S. soll Sprengsatzzünder für enttarnte Zelle aus dem Sauerland beschafft und Islamisten nach Pakistan geschleust haben

Politik : Deutscher Terrorverdächtiger in der Türkei gefasst Atilla S. soll Sprengsatzzünder für enttarnte Zelle aus dem Sauerland beschafft und Islamisten nach Pakistan geschleust haben

Berlin - Nach der Festnahme von drei Terrorverdächtigen vor zwei Monaten im Sauerland hat die türkische Polizei einen vierten Islamisten gefasst, der Sprengsatzzünder für in Deutschland geplante Anschläge beschafft haben soll. Nach Tagesspiegel-Informationen nahmen türkische Polizisten den 22 Jahre alten Attila S. gegen 12 Uhr Ortszeit in einem Einkaufszentrum in der türkischen Provinzhauptstadt Konya fest.

Der Haftbefehl gegen den Verdächtigen lag seit dem 15. Oktober vor, das Rechtshilfeersuchen des Bundesjustizministeriums an die türkischen Behörden folgte kurz darauf. Der Ulmer Anwalt von Attila S., Manfred Gnjidic, bestätigte die Festnahme. Verwandte seines Mandanten hätten ihn informiert, sagte er am Dienstag. Attila S. wird die Unterstützung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Er soll der Gruppe um die beiden Konvertiten Fritz G. aus Ulm und Daniel S. aus dem Saarland sowie den Türken Adem Y. aus Hessen geholfen haben, Zünder für ihre Sprengsätze zu beschaffen. Nach dem Zugriff auf die drei Bombenbauer aus dem Sauerland soll der 22-jährige Ulmer am 4. September untergetaucht sein und sich in den vergangenen Wochen in der Türkei aufgehalten haben.

Die drei in Deutschland verhafteten Männer hatten den bisherigen Ermittlungen zufolge geplant, bei Autobombenanschlägen möglichst viele Menschen zu töten. In einem Telefongespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ bestritt Attila S. vor wenigen Tagen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe – mit Terror habe er nichts zu tun. Er hatte sich in der Türkei auch vor einer Fernsehkamera zu dem Verdacht gegen ihn interviewen lassen.

Nach Tagesspiegel-Informationen lebte Attila S. seit Februar in Konya. Laut Agenturberichten soll er dort mit einer jungen Türkin verheiratet sein. Nach Angaben eines Sicherheitsexperten ist Attila S. in den vergangenen Monaten in der Türkei herumvagabundiert, man habe ihn aber jederzeit im Blick gehabt. Mit der Festnahme sei bewusst gewartet worden, um herauszufinden, mit wem der Terrorverdächtige Kontakt aufnimmt. Es gebe den Verdacht, dass Attila S. von der Türkei aus Anhänger der Islamischen Dschihad Union aus Deutschland nach Pakistan schleusen sollte, wo die Islamisten militärisch ausgebildet werden sollten. Die Reiseroute sollte von Deutschland und der Türkei aus über Syrien und den Iran nach Pakistan führen. Die Dschihad Union hatte sich kurz nach der Festnahme der drei Terrorverdächtigen zu den Anschlagsplänen bekannt. Alle vier Festgenommenen sollen nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden in ihren Lagern ausgebildet worden sein. Attila S. bestreitet laut „Süddeutscher Zeitung“ jedoch, jemals in einem solchen Camp gewesen zu sein. Insgesamt gelten neun Personen als Beschuldigte. Atilla S. gehört zum Kreis der Islamisten von Ulm und Neu-Ulm, die seit langem von den deutschen Sicherheitsbehörden beobachtet werden. babs/fan/dpa

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