Politik : Deutsches Atomwissen für China Uni Clausthal erforscht Endlager in Wüste Gobi

Dagmar Dehmer

Berlin - Trotz des Atomausstiegs hat die Bundesregierung keine Bedenken, wenn deutsche Universitäten oder Unternehmen im Ausland ihre Dienste etwa bei der Suche nach einem Endlager für radioaktiven Müll anbieten. Im Rahmen des China-Besuchs des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) unterzeichneten die TU Clausthal und die chinesische Endlagergesellschaft einen Kooperationsvertrag. Dabei soll erforscht werden, ob tief liegendes Granitgestein in der Wüste Gobi geeignet ist, stark strahlenden Atommüll sicher zu lagern. Von den Erkenntnissen könnte auch Deutschland bei seiner Suche nach einem Endlager profitieren.

Neben der TU soll auch eine Tochter des Unternehmens, das in Deutschland die Endlager Gorleben und Schacht Konrad betreibt, DBETEC, an den Forschungen beteiligt werden. Die DBETEC-Mutter wird von den deutschen Atomkonzernen finanziert. Da die Atomwirtschaft am Salzstock in Gorleben als Endlager festhalten will, hat sie allerdings kein Interesse an der Suche nach alternativen Lagermöglichkeiten – wie etwa Granit. Andererseits muss die DBE als Gorleben-Betreiberin ihre Aufgabe im Auftrag der Regierung umsetzen, beim China-Projekt sieht sie sich daher in einem Loyalitätskonflikt.

Schon am 7. April teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) der DBETEC und dem Umweltministerium in einem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, mit, dass es den Kooperationsvertrag unterstütze. Das Umweltministerium schrieb am 13. April ans Außenministerium, dass es ebenfalls keine Bedenken habe. Trotzdem hieß es aus den Reihen der DBETEC- Mitarbeiter, die Wulff nach China begleiteten, das BfS habe erst am Dienstag seine Zustimmung gegeben, deshalb habe das Unternehmen den Vertrag noch nicht unterzeichnet. Vom BfS zur Rede gestellt, hieß es dagegen, das Unternehmen freue sich über die Unterstützung aus Salzgitter. Der Chef des BfS, Wolfram König, sagte dem Tagesspiegel, er begrüße, dass die DBETEC an der Erforschung alternativer Wirtsgesteine für ein Atomendlager arbeite. Da könne Deutschland schließlich auch davon lernen. Weiter sagte er: „Ich freue mich, dass Ministerpräsident Wulff nun auch die Suche nach Alternativen zum Salzstock unterstützt.“ Bisher hatte auch die Landesregierung an Gorleben festhalten wollen.

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